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Deutscher Jugendliteraturpreis für Gesamtwerk PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Humm, Yvonne, am 15-10-2007 15:00
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Kirsten Boie„Deutsche Astrid Lindgren“ erhält Sonderpreis des Deutschen Jugendliteraturpreises für ihr Gesamtwerk

Am vergangenen Freitag erhielt die Hamburger Autorin Kirsten Boie, die von der FAZ einmal als  „deutsche Astrid Lindgren“ bezeichnet wurde, im Rahmen der Frankfurter Buchmesse den Sonderpreis des Deutschen Jugendliteraturpreises für ihr Gesamtwerk. Der mit 10.000 Euro dotierte Preis geht diesmal an eine Schriftstellerin, die bereits mit ihrem ersten Buch Paule ist ein Glücksgriff (1985) auf der Auswahlliste zum Deutschen Jugendliteraturpreis stand.

Seit 22 Jahren schreibt die promovierte Literaturwissenschaftlerin und ehemalige Gymnasiallehrerin Bücher für junge Menschen. Ihr Werk umfasst inzwischen weit mehr als 60 Titel, darunter Bilderbücher, Fantasyromane, realistische Kindergeschichten und historische Romane für Jugendliche wie beispielsweise ihr neuestes BuchAlhambra. Zu ihren bekanntesten Werken zählen Wir Kinder aus dem Möwenweg, Der kleine Ritter Trenku nd Erwachsene reden. Marco hat was getan.

In der Begründung der Jury heißt es, Kirsten Boie werde als „konsequente und kompromisslose Verfechterin einer eigenen Literatur für Kinder und Jugendliche geehrt“, welche die scheinbar gegensätzlichen Ansprüche von literarischer und lesepädagogischer Qualität in perfekter Balance halte. Die Jury verstehe den Preis, so heißt es weiter, auch als Anerkennung von Kirsten Boies fortwährender selbstkritischer Reflexion und Auseinandersetzung mit theoretischen Fragen der Kinder- und Jugendliteratur und deren Vermittlung.

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In ihrer Dankesrede appellierte die Autorin vor allem daran, dass man Kinder und Jugendliche als die im Mittelpunkt stehenden Adressaten nicht aus dem Blick verlieren dürfe. Kinderliteratur dürfe weder nach den Erwachsenen schielen und mit den Mitteln der literarischen Belletristik spielen, noch solle sie „Junk“ anbieten. Sie betonte damit einmal mehr die zwei Aspekte, welche ihr beim Schreiben besonders wichtig sind: Zum einen, dass Literatur für Kinder immer auch in jedem Fall Literatur sein sollte, zum anderen, dass darüber aber nicht vergessen werden darf, an wen sich diese Literatur richtet. Kinder- und Jugendliteratur muss also nach der Meinung von Kirsten Boie ein Spagat zwischen den Anforderungen der literarischen Moderne und dem Erzählen für Kinder gelingen.

In diesem Zusammenhang fordert die Preisträgerin auch mehr Selbstbewusstsein von ihren Kolleginnen und Kollegen, welche diesen Spagat immer wieder aufs Neue anstreben: „Was wir tun, ist wichtig. Die berufliche, gesellschaftliche und damit auch private Zukunft jeden Kindes hängt zu nicht unwesentlichen Teilen vom Grad seiner Lesefähigkeit ab, und die entsteht nur durch häufiges, freiwilliges Lesen, was wiederum nur durch eine hohe Lesemotivation zu erreichen ist. Kinder zu Lesern zu machen, ist damit eine ganz wichtige gesellschaftliche Aufgabe“.

Auch ihr neuer All Age-Roman Alhambra ist ganz dem Ziel verschrieben Literatur für Kinder und Jugendliche zu schreiben, die zum Lesen animiert und dabei gleichzeitig literarische Qualität aufweist . Leser beziehungsweise Hörer werden mittels einer Zeitreise in das Granada des Jahres 1492 mitgenommen, dem Jahr der Entdeckung Amerikas und dem Beginn der Neuzeit.  Es handelt sich hier jedoch keineswegs nur um einen historischen Abenteuerroman, denn Kirsten Boie greift mit der Frage nach dem Verhältnis der Religionen untereinander ein hochaktuelles Thema auf. Die drei Hauptakteure des Buches, Boston, Tariq und Salomon, gehören zwar verschiedenen Religionen - Christentum, Islam und Judentum - an, erkennen aber, dass sie ihre Probleme nur gemeinsam lösen können. In einem Interview mit hr-online auf der Frankfurter Buchmesse sagte die Autorin auf die Frage ob sie dies auch als Chance für die Gegenwart begreife: „Ich glaube, wir werden noch sehr lange brauchen, aber es gibt gar keine andere Möglichkeit.“ Sie hoffe sehr, dass ihr Buch einen Beitrag zur Verbesserung des gegenseitigen Verhältnisses leisten könne. 

Copyright Verlag Friedrich Oetinger, Foto: Ute Karen Seggelke



Letztes Update: 15-10-2007 15:57

Veröffentlicht in : Magazin, Buchnews
Schlüsselworte : boie, ritter, trenk, lindgren, alhambra
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