Maria Barbal ist neben ihrer Tätigkeit als Schrifstellerin auch Lehrerin für die Sekundarstufe. Geboren wurde sie 1949 in Tremp und verbrachte ihre Kindheit in Pallars, Teil der Provinz Lleida. Die dort verlebten Kindheitsjahre und die Liebe zu ihrer Heimat prägten ihre ersten schriftstellerischen Tätigkeiten. So spielt auch ihr bisher einziges auf deutsch erschienenes Buch Pedra de tartera (1985; Wie ein Stein im Geröll, Transit Verlag 2007) - das nicht nur von Elke Heidenreich gelobt wurde, sondern auch den Sprung in die Top 10 der Spiegel Bestsellerliste schaffte - in der abgelegenen Bergwelt im Nordosten Kataloniens. 22 Jahre ist es nun her, dass dieses Buch veröffentlicht wurde. In Katalonien war es rasch erfolgreich, es wurde ins Spanische, Französische und Portugiesische übersetzt. Doch vom Erfolg in Deutschland ist Barbal selbst überrascht.
Diesem Buch verdanke sie alles, auch die Entscheidung, Schriftsteller zu werden. Eine äußerst gute Entscheidung auch für die Leser. Mehrere Preise konnte Maria Barbal bereits einfahren. Neben Romanen schreibt sie Theaterstücke und Jugendliteratur. Seit 1964 wohnt sie in Barcelona, hat dort studiert. Ähnlich ihrer eigenen Geschichte hat sie auf ihrem literarischen Feld die ländliche Ebene verlassen, um diesem einen städtischen Kontext zu verleihen. Das nächste von ihr in Deutschland veröffentlichte Buch wird ihr neuestes Werk País íntim (2005; Inneres Land (Titel vom Verleger noch nicht bestätigt)) sein.
Jaume Cabré
In Katalonien bereits 2003 mit dem Preis der katalanischen Schriftsteller für sein Lebenswerk ausgezeichnet, hat Jaume Cabré ebenfalls dieses Jahr seinen Durchbruch nach Deutschland geschafft. Sein bisher letzter Roman Les veus del Pamano (2004; Die Stimmen des Flusses 2007) erschien beim Insel Verlag. Ähnlich wie Barbals Pedra de tartera spielt auch dieses Buch in einem Dorf in den Pyrenäen, handelt aber von der Zeit unmittelbar nach dem Krieg, indem weiter politisch motivierte Verbrechen begangen wurden.
Geboren wurde er 1947 in Barcelona, wo er Philologie studierte und anschließend mehrere Jahre katalanische Sprache und Literatur lehrte. Seit 1974 ist er schriftstellerisch tätig, schrieb neben Romanen, Essays und Erzählbänden auch als Drehbuchautor für Kinoproduktionen und konzipierte drei Serien für den Sender TV3. 2001 debütierte er im Theater mit einem geschriebenen Stück. Auch Cabré kann mehrere Kritiker- und Literaturpreise aufweisen.
Anzeige Ebenfalls in Barcelona geboren wurde Quim Monzó. 1952 erblickte der Allrounder dort das Licht der Welt. Zunächst arbeitete er als Kriegsberichterstatter in diversen Ländern und Kontinenten. 1976 erschien sein erster Roman, der umgehend ausgezeichnet wurde. Doch seine Bestseller sind die Sammelbänder seiner Kurzgeschichten wie Barcelona (BTV 2007) oder das noch umfangreichere Werk 100 Geschichten (FVA 2007). Doch Monzó kann noch mehr: Er war tätig als Comiczeichner und Grafikdesigner, Drehbuchautor, schrieb für Radio und Fernsehen, kann sich auch Songwriter nennen und übersetzte bedeutende Werke. Für die Übersetzung ins Spanische seiner eigenen Werke nimmt er sich prominente Hilfe in Person des in Deutschland besonders durch das Werk Die Soldaten von Salamis (BTV 2004) bekannten Javier Cercas. Monzó zeigt sich demnach nicht nur in seinem literarischen Werk als besonders originell und eigenwillig.
Quim Monzó
In der Zeitung La Vanguardia erscheinen regelmäßig Kolumnen, ab und an auch in der Frankfurter Rundschau. Populär wurde Monzó auch durch eine Radionovela und weiteren äußerst beliebten Radiosendungen, bei denen er ebenfalls mit einem bedeutenden katalanischen Autoren kooperierte: Sergi Pàmies. 2002 wurde Monzó für die Einzigartigkeit seines Werkes ausgezeichnet.
Weitaus weniger Werke kann der Anthropologe und Schriftsteller Albert Sánchez-Piñol aufweisen, ist jedoch ebenfalls national wie international damit erfolgreich. Ein weiterer Sohn der Hauptstadt Kataloniens (geboren 1965), der jedoch einen Hang zur Phantastik hat. Nach seinem Bestseller La pell freda (2002; Im Rausch der Stille, Fischer 2006), erschien kürzlich sein zweites und nicht weniger erfolgsversprechendes Werk Pandora al Congo (2005; Pandora im Kongo Fischer 2007), das ins tiefe Afrika führt. Ein Ort, den Sánchez-Piñol in Wirklichkeit nur allzu gut kennt. Dort hat das Mitglied des Centro de Estudios Africanos als Anthropologe bereits gearbeitet. Nach einem solchen Erfolg seiner noch jungen Karriere als Schriftsteller kann man gespannt sein, was noch kommen wird.
Ähnlich geht es einem bei Pere Gimferrer, geboren im Jahre 1945 in Barcelona, tätig als Übersetzer und Literaturkritiker und ein hervorragender Poet, der ebenfalls viele Preise gewinnen konnte. Er war Mitbegründer und führender Vertreter der Dichtergruppe novísimos beziehungsweise venecianos. Letztere Bezeichnung verdankt diese Gruppierung einem Gedicht Gimferrers mit dem Namen Oda a Venecia ante el mar de los teatros aus seinem vielleicht besten Werk Arde el mar (1966), für das er den Premio Nacional de Poesía erhielt. Sein Werk ist zu komplex, um es in wenigen Worten fassen zu können, aber eine Auseinandersetzung damit ist Freunden ungewöhnlicher lyrischer Werke - die im Falle Gimferrers durchaus mehrere Seiten haben und sämtliche Regeln traditioneller Lyrik aufnehmen können, nur um sie wieder zu brechen - zu empfehlen und wird eine Bereicherung darstellen. Nach lediglich einigen Übersetzungen (oder Versuchen) erschien nun endlich der erste Gedichtband in Deutschland: Der Spiegel. Der öde Raum (Hanser 2007).
Bei allen fünf hier genannten Schriftstellern zeigt sich eines recht deutlich: Erst seit kurzer Zeit haben sie hier in Deutschland genügend Aufmerksamkeit erhalten, um übersetzt zu werden. Bei Sánchez-Piñol geschah dies recht früh, bei den restlichen scheint vor allem auch die Rolle Kataloniens als Ehrengast der diesjährigen Buchmesse in Frankfurt entscheidend zu sein. Einerseits schade, da diese großartigen und teilweise einige Zeit zuvor auch international schon erfolgreichen Schriftsteller erst durch diesen Anlass die angemessene Aufmerksamkeit erhalten, andererseits erfreulich, dass dies nun endlich geschieht und die Kultur dieser Minderheit nun endlich vermehrt die Chance bekommt, sich auch hier präsentieren. Bleibt zu hoffen, dass die Literatur Kataloniens einen bleibenden Eindruck hinterlassen wird.
Tipp: Die edition tranvía hat zu einigen ausgewählten Werken katalanischer Autoren Band 5 der Reihe "Kultur und Gesellschaft der katalanischen Länder" mit dem Titel "Der katalanische Roman der Gegenwart. Einzelinterpretationen" veröffentlicht, das aus literaturhistorischer Perspektive "die außerordentliche Vielfalt der katalanischen Romanproduktion aufzeigen und zum Verständnis der einzelnen Texte in ihren komplexen literarischen, sozialgeschichtlichen und politischen Zusammenhängen anregen" soll. Darunter finden sich Interpretationen zu Texten von Josep Pla, Mercè Rodoreda, Montserrat Roig, Jesús Moncada, Carme Riera, Albert Sánchez-Piñol, Quim Monzó und Maria Barbal.