David Cornachon wanderte Anfang des 19. Jahrhunderts aus Schottland nach New York aus. Wie kam er zu dem Reichtum und Ruhm, der den Anfängen folgte? New York bot zu jener Zeit mit seinem aufstrebenden Wirtschaftswachstum jedem, der tüchtig war und über gute Verbindungen verfügte, die Möglichkeit, zu Ansehen und Reichtum zu gelangen.
Die hier vorliegende Geschichte reicht über etwas mehr als ein Jahrhundert. Sie umfasst die Epoche vom amerikanischen Bürgerkrieg bis zum Desaster von Vietnam und erzählt die Geschichte der Familie Cornachon. Diese bietet das Panorama einer weit verzweigten Familie der New Yorker oberen Mittelschicht. In jedem Kapitel wird eine Figur des Clans in den Focus gerückt und Glück, Freude, Versagen und Erfolge der einzelnen Familienmitglieder beleuchtet. Diese Einteilung ermöglicht uns die Sicht aus unterschiedlichen Blickwinkeln.
Als David 1869 starb, hinterließ er Frau und neun Kinder. Dem Sohn Douglas gelang es als einzigem, eine zahlreiche Nachkommenschaft hervorzubringen. Das Vermögen wurde durch eigene Arbeit und die Einheirat in begüterte Familien vermehrt. Während die einzelnen Familienmitglieder aus dem Hintergrund hervortreten, weitet sich der Blick auf das Amerika, das einmal Hoffnung und Zukunft für viele europäische Einwanderer bot. Große Häuser, mehrere Wohnsitze und zahlreiche Besitztümer bieten Einblicke in den wachsenden Reichtum.
Es folgte der Bürgerkrieg, der zu Meinungsverschiedenheiten unter den Kindern von Douglas und dem Verlust eines Sohnes führte. Die Familie hält über alle Differenzen hinweg zusammen. Die Konkurrenz und Machtproben zwischen Davisa Enkeln sorgen für Überraschungen: Die Vettern David, James und Gordie sind Konkurrenten in der Schule, im Studium und im Leben. Man bleibt sich dennoch eng verbunden. Fein beobachtet werden die psychologischen Machtspielchen und die Manipulation der Stärkeren gegen die Schwächeren vermerkt. Es ist ein weit gefasstes Arsenal von Anspruch und Verwirklichung, von Unterwerfung und Zurückstecken.
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Heiraten werden selten aus Liebe, häufiger aus Kalkül um Macht und Geld geschlossen. Man besitzt gut gehende Anwaltskanzleien, ist im Bankwesen und in der Werbung tätig. Auchincloss hat das Klima um die Familie wunderbar ergründet und wiedergegeben, entstammt er doch selbst einer etablierten Ostküstenfamilie. Man ist fasziniert, wie sehr sich die Ostküstengesellschaft Amerikas einen eigenen Kodex zugelegt hat, der das europäische Gesellschaftssystem von Adel und Bürgertum imitiert. Hier allerdings ist das Geld der Mammon, um den sich alles dreht. Dazugehören, Mitsprache, Ämter und Patronage sind die Merkmale der feinen Gesellschaft. Bildung rangiert hiernach erst an zweiter Stelle. Gordie, der gerne Schriftsteller geworden wäre, muss den obligaten Weg des Juristen einschlagen, um mithalten zu können.
Es sind starke, reiche, sensible, feine und labile Charaktere, die in allen Facetten Amerika als das Land der einstmals großen Hoffnungen und des Aufbruchs in eine neue Welt ins Rampenlicht rückt. Auchincloss schreibt beseelt von einer Welt, die er kennt, die er liebt, und die ihm wichtig war. Auch dem Leser imponieren die großartigen Entwicklungen, die unterschiedlichen Charaktere und der immer wieder spürbare Zusammenhalt in der Familie. Geistreich, klug und ernst sind die Gespräche und der Gedankenaustausch zwischen den Menschen.
Der amerikanische Bürgerkrieg, die beiden großen Weltkriege und der Vietnamkrieg verändern die Betrachtungen über die Zusammenhänge des politischen und gesellschaftlichen Wandels. Eine unleugbare Melancholie klingt an, wenn Auchincloss noch einmal den Weg in die Vergangenheit zurücklegt.
Auchincloss war selbst Anwalt in New York, wo er 1917 geboren wurde. Er hat etwa 60 Romane neben seiner anwaltlichen Tätigkeit veröffentlicht.