Zeichnen ist eine schöne und eindrucksvolle Tätigkeit. Es gibt so viele Motive, die man zu Papier bringen kann. Doch es geht nicht darum, sie einfach nur aufzuzeichnen, sondern die Bilder richtig zur Wirkung zu bringen, sie strahlen zu lassen und beim Betrachter etwas auszulösen. Wie das am besten gelingt, damit beschäftigt sich dieses Buch.
Wenn man sich das Inhaltsverzeichnis anschaut, erscheint alles recht einfach. Zunächst lernt man etwas über die Grundlagen des Zeichnens, anschließend etwas über die Perspektive. Dann geht es darum Blumen, Bäume, Landschaften und Wolken zeichnen zu lernen. Schließlich wagt man sich an die Farbzeichnungen.
Im Kapitel über die Grundlagen kann der Leser zunächst etwas über Vorbereitungen lernen, bevor er zum Zeichner wird. Aber hier wird niemand mit unendlich viel Material überfordert. Wichtig fürs Zeichnen sind zuerst nur ganz wenige Dinge wie Papier, Bleistifte verschiedener Härten und ein Radiergummi. Der Leser lernt außerdem, wie er sein Blatt richtig einteilt, um später nicht in Platznot zu geraten.
Und schon geht es los mit ersten Übungen. Dabei geht es darum, objektives Sehen zu erlernen, um die Dinge, die man gern zeichnen möchte, überhaupt richtig konstruieren zu können. Zunächst muss man den Gegenstand, den man auf dem Blatt verwirklichen möchte, nämlich hinsichtlich seines Aufbaus verstehen und begreifen.
Um dann ein Gebilde richtig zur Wirkung zu bringen, sind die Schatten natürlich das Wichtigste. Wo müssen die Schatten gesetzt werden, warum ausgerechnet dort und wie stellt man das am besten an? Darauf gibt der Autor Antwort. So bekommt man im Laufe der Übungen ein Gefühl für Töne, Formen und Dimensionen.
Der Zeichner lernt so in Schritt-für-Schritt-Anleitungen, wie man an das plastische Gestalten von Körpern herangeht.
Dabei kann man natürlich, gerade am Anfang, viel verkehrt machen. Deshalb wird anhand von Bildern gezeigt, was die häufigsten Fehler sind.
Im Kapitel „Perspektive“ wird erläutert, wie man die Bilder perspektivisch korrekt aufbaut. Auch dabei gibt es wieder bestimmte Tricks, derer man sich bedienen kann. So wird erklärt, wie man mit Hilfe von Fluchtpunkten und Horizontlinien das Bild richtig konstruiert.
Im letzten Kapitel geht es schließlich ums Kolorieren. Die Vorgehensweise hinsichtlich des Erklärens ähnelt dem des Zeichnens mit Bleistiften. Es wird etwas zu den Stiften gesagt und in den Übungen lernt man, wie man sie einsetzt.
Anzeige Schon das Inhaltsverzeichnis verrät es, man braucht zunächst nur ganz wenige Dinge, um schöne Bilder zaubern zu können. So muss man sich nicht zwischen unendlich vielen Stiften und Papierarten entscheiden, sondern einfach mit dem Grundbedarf loslegen. Das macht das Buch sehr sympathisch.
Mithilfe der Übungen lernt der Leser Stück für Stück, worum es beim Zeichnen eigentlich geht. Jedes Bild ist im Buch kommentiert, so dass man genau nachvollziehen kann, was als Nächstes geschehen muss.
Die Vorschläge sind dabei konstruktiv und nachzeichenbar. Allerdings darf man nicht erwarten, von Anfang an ebenfalls perfekte Bilder zeichnen zu können, denn die vorgestellten Motive werden einen Einsteiger mit ihrem Perfektionismus wohl ein bisschen erschrecken. Aber Zeichnen ist ein Lernprozess. Mit jedem Bild wird es ein bisschen besser gelingen, den Schatten dort zu setzten, wo er hingehört. Schatten und damit einen Körper Plastizität zu verleihen, sind auch die Hauptthemen, mit denen sich der Autor hier beschäftigt. Andere Dinge wie zum Beispiel Kompositionen werden in diesem Buch dagegen nicht ausführlich besprochen.
Sehr lehrreich sind die Bilder, an denen die häufigsten Fehler diskutiert werden, denn wer hier erkannt hat, was schief gehen kann, wird diesen Fehler hoffentlich nicht selbst machen.
Als besonderes Extra findet man am Ende des Buches noch einen Vergleich zwischen Bildern, die mit Buntstift und Pastellkreide beziehungsweise Pastellkreide, Rötelstift und Kohle entstanden sind. Dieses Kapitel ermutigt den Zeichner zum Ausprobieren von anderen Materialien, denn auch damit lassen sich sagenhafte Bilder zeichnen.
Fazit: Ein gutes Buch, um ein Gefühl für Formen und Schatten zu bekommen. Räumliches Vorstellungsvermögen, um die ganzen Hilfslinien nachvollziehen zu können, wird allerdings vorausgesetzt. Bringt man das mit, bekommt man hier eine Menge Anregungen, wie man Tiefe und Wirkung in eine Zeichnung bekommt.
Hannes Döllel Zeichnen für Einsteiger
Blumen, Landschaften und Stillleben
Mit Schritt-für-Schritt-Anleitung Knaur Verlag, München 2007
80 Seiten, gebunden, 12,95 Euro
ISBN 10: 3426643839
ISBN 13: 978-3-426-64383-9