Simon Peters is back – als Hartz IV-Empfänger unter lauter erfolgreichen Freunden hat er sich darauf verlegt, die Welt mit seinen Beschwerdebriefen und Telefonaten bei Verbraucherhotlines zu terrorisieren. Doch der Einzug seiner Nachbarin weckt ihn aus seiner Lethargie. Er muss dieses Weib loswerden, koste es, was es wolle.
Simon ist arbeitslos, aber nicht unbeschäftigt. Jeden Morgen begibt er sich um neun Uhr zu seinem Freund, dem Besitzer des persischen Internet-Cafes, der ihm seinen Stammrechner freihält. Dort überprüft er seine Mails und schickt neue, in denen er sich über Gott und die Welt beschwert. Auch bei der Kundenhotline von Procter and Gamble kennt man ihn so gut, dass die reizende Stimme von Annabell ihm vertrauter erscheint als seine engsten Freunde.
Der Blitzschlag trifft seine nicht glückliche, doch akzeptable Existenz, als sein Vermieter Zwirbeljupp das Penthaus ausbauen lässt und wenig später an eine reiche Tussi mit entsetzlichem Musikgeschmack und elitärem Gehabe vermietet. Um diesen Dorn im Fleisch loszuwerden, gibt es nur eine Möglichkeit. Simon muss das Haus kaufen, um das lästige Weib vor die Tür setzen zu können. Die Kleinigkeit einer Million Euro muss her!
Anzeige Mit Millionär schickt Tommy Jaud seinen Antihelden Simon in die dritte Runde, wobei er ganz auf das Erfolgsrezept von Vollidiot und Resturlaub setzt. In beinahe kolumnenartigen Episoden nimmt er Themen und Zustände der heutigen Gesellschaft auf die Schippe. Dabei ist es dem Autor nicht wichtig, ein realistisches Bild zum Beispiel von dem Leben von Hartz IV-Empfängern zu entwerfen, sondern es zum Anlass für seine satirischen Beobachtungen zu nehmen.
Doch Tommy Jaud wäre nicht er selber, wenn sich zwischen Zeitkritik und Satire nicht auch reichlich vollkommen absichtsfreier Humor von übersprudelnder Komik mischen würde. Wenn Simon gegen Pfarrer Westhoff und seinen Tourette-Turm zu Felde zieht, wenn er über Umwege zum Beschwer-Adair mutiert oder von seiner Playstation-verrückten Nachbarin und ihrer Schildkröten-Freundin in den Wahnsinn getrieben wird, dann heißt es: nicht nach dem tieferen Sinn suchen sondern einfach lachen.
Überaus hilfreich ist dabei auch die Interpretation des Hörbuches durch Christoph Maria Herbst. In den meisten Hörbüchern wird versucht, den Figuren individuelle Stimmen zu verleihen, aber selten gelingt es so überzeugend, lebendig und unwerfend komisch wie hier. Wenn die unmögliche Lache von Nachbarin Johanna aus den Lautsprechern dröhnt, dann kann man fast vergessen, dass hier ein Mann liest, keine reiche Oberschichtzicke – natürlich nur, wenn das eigene Lachen nicht die Lesung übertönt. Millionär ist absurd, keine Frage, aber die Mischung stimmt noch immer.
Fazit: Gelungene Mischung aus Comedy und Satire in genialer Hörbuchfassung