Lola Galley ist Agentin im Amt zur ständigen Überwachung Lykanthropischer Aktivitäten, kurz ASÜLA genannt. Im Moment vertritt sie einen Mann, der Jonny Marcos in einer Nacht, als er als streunender Werwolf unterwegs war, die Hand abgebissen hat. Dass Richard Thomas Ellaway tatsächlich der Mörder sein soll, scheint ihr nicht glaubhaft. Auch sein Alibi scheint zu stimmen. Er hat zur Tatzeit telefoniert. Als Anwalt des Beschuldigten fungiert Adnan Franklin. Dabei ist Galley an einer Zusammenarbeit nicht interessiert. Sie hat schon genug Ärger am Hals. Sie hat Probleme mit ihrem Vorgesetzen, weil bei einer nächtlichen Jagd auf Streuner ihr Praktikant, für den sie die Verantwortung hatte, schwer verletzt wurde. Galley muss sich auf eine Disziplinarstrafe gefasst machen.
Als Paul Kelsey in ihr Leben tritt, weil er genau wie sie Jerry Farnham, einen unverbesserlichen, aber liebenswerten Trinker betreut, verliebt sich die junge Frau. Er ist keine Glatthaut wie sie, sondern ein Lyko.
Einer der Lykanthropen , der Galley und ihren Praktikanten in der Vollmondnacht angegriffen haben, wird gefasst. Das Verhör, dem Darryl Seligmann ausgesetzt wird, gerät zur Folter, an der Galley aktiv beteiligt ist. Sie will wissen, warum er sie und ihren Praktikant töten wollte.
Bald ist an eine normale Arbeitsweise ihrerseits aber ohnehin nicht mehr zu denken. Jonny Marcos wird aus dem Hinterhalt heraus mit einer Silberkugel erschossen. An diese kommen eigentlich nur ASÜLA-Agenten heran. In Galley macht sich sofort ein ganz bestimmter Verdacht breit. Sie ahnt, dass die Angriffe auf Glatthäute einen gezielten Hintergrund haben. Sie, die Jägerin, wird nun selbst zur Gejagten.
Anzeige Der Krimi spielt in unserer Zeit. Man könnte auch sagen in einer Parallelwelt, denn fast die gesamte Bevölkerung besteht aus Lykanthropen, also Menschen, die bei Vollmond zu Werwölfen werden. Die wenigen, die es nicht sind, und die als Glatthäute bezeichnet werden, gehören der Behörde ASÜLA an, deren Agenten in Vollmondnächten auf Streife gehen, um Werwölfe einzufangen, die die Ausgangssperre verpasst haben und so eine uneinschätzbare Gefahr sind. Es ist ein beängstigende Szenario, dass die Autorin geschaffen hat, aber auch ein faszinierendes.
Die Geschichte ist sehr komplex. Die Hauptperson Lola Gallay muss sich doch mit vielen Unwägbarkeiten herumschlagen. Da muss man aufpassen, nicht den Überblick zu verlieren.
Nichts an dieser Geschichte ist normal. Es verwirrt etwas, dass die Autorin dafür sorgt, dass man kaum Sympathien für die Hauptperson aufbringen kann, da sie selbst nicht davor zurückschreckt Gewalt anzuwenden und in ihrer Art recht undurchsichtig bleibt. Sie vergleicht ihre Behörde mit der Inquisition. So geht es in der Geschichte im weitesten Sinne um Diskriminierung bestimmter Bevölkerungsgruppen und die Auswirkung dieser. Das geht bis hin zum Thema Genmanipulation, das hier in einer interessanten Form auftritt. So kommt die Geschichte ungemütlich moralisch daher.
Dennoch ist das Buch lesenswert. Man darf nur nicht den üblichen Horror erwarten. Die Autorin hält sich nicht an die gängigen Klischees, die in Romanen über Werwölfe sonst zum Tragen kommen.
Kit Whitfield Wolfsspur (Originaltitel: Bareback)
Aus dem Englischen von Irene Holicki
Wilhelm Heyne Verlag München 2007
640 Seiten, broschiert, 13,00 Euro
ISBN-10: 3453811488
ISBN-13: 978-3453811485
Stellen Sie sich eine Welt vor, in der über 90 Prozent der Bevölkerung Werwölfe sind. Und stellen Sie sich vor, Sie sind einer der wenigen verbliebenen "echten" Menschen. Und dann stellen Sie sich vor, dass einer ihrer Freunde ermordet wird - von einem Werwolf -, und Sie werden beauftragt, diesen Mord aufzuklären ...Kit Whitfields "Wolfsspur" ist ein atemberaubender Mystery-Thriller, der alle Genre-Grenzen sprengt und den Leser in eine Welt zieht, wie sie erschreckender und faszinierender nicht sein kann.