Auf die Frage, ob er denn schon immer Schriftsteller habe werden wollen, hat John Katzenbach geantwortet, er habe nur zwei Alternativen in seinem Leben gehabt: Entweder Schriftsteller oder Verbrecher zu werden. Nun, wie einigen bekannt sein dürfte, hat er sich für die Schriftstellerei entschieden und das mit großem Erfolg. Romane wie Die Rache, Das Tribunal oderDas Opfer katapultierten ihn schnell auf die Bestsellerlisten und machten ihn zu einem der erfolgreichsten Krimi-Autoren der letzten Jahre.
Nun liegt mit Der Fotograf sein aktueller Thriller vor, der mit 680 Seiten wieder einmal sehr umfangreich geraten ist. Stören dürfte das nur die Allerwenigsten, gelingt es ihm doch, den Leser von der ersten Seite an zu fesseln und in seinen Bann zu ziehen. Das funktioniert alles ganz routiniert und man kann sagen, was man will - aber sein Handwerk, das hat er gelernt und inzwischen auch perfektioniert. Zur Handlung: Wie immer hat sich Katzenbach einen psychopathischen Serienkiller ausgeguckt, den der auf junge Studentinnen losschickt und der sie auf grausame Art und Weise foltert und danach tötet. So scheint es anfangs auch der Literaturstudentin Anne Hampton zu ergehen: Seitenlang beschreibt Katzenbach sehr deutlich, vielleicht eine Spur zu deutlich die psychischen und physischen Foltermethoden - doch anstatt sie zu töten, macht Doug Jeffers, der Killer, sie sich gefügig: Sie soll nichts anderes werden als die penible Chronistin seiner brutalen Morde. Parallel dazu setzt sich Detective Mercedes Barren auf die Spuren des Serienkillers, der u.a. ihre Nichte auf dem Gewissen hat. Es entwickelt sich eine nervenaufreibende Jagd, die man von zahlreichen Krimis dieser Art kennt und dessen Ende entsprechend vorhersehbar und enttäuschend ist.
Anzeige So weit so unspektakulär! Katzenbach hat seine eigene Formel aus Horror, Psychogrusel und Thriller entwickelt - und nudelt dieses Programm ähnlich wie John Grisham oder Donna Leon nun mit jedem neuen Buch runter. Spannend ist das bis zu einem gewissen Grad, die Folterszenen beschreibt er mit einer wirklich furchterregenden Detailverliebtheit und Tempo bringt er auch in seine Handlung. Doch seine Versuche, seine Protagonisten mit einer charakterlichen Tiefe anzureichen, misslingen ihm durchgehend: Viel zu blass bleibt der Täter, obwohl Katzenbach es durchaus versucht, so etwas wie ein Motiv für seine Verbrechen zu liefern. Wie meistens, so muss auch hier eine Kriegserfahrung als Begründung herhalten - gekoppelt mit einer schlimmen Kindheit. Na ja - nicht gerade überzeugend und originell schon gar nicht.
Wirklich interessant hätte es werden können, hätte Katzenbach den eigentlich sehr guten Ansatz, dass sein Mörder sich eine „Sklavin“ hält, die seine Morde haarklein aufzeichnet und ihm quasi den Spiegel vorhält, etwas mehr Beachtung geschenkt. Leider verpufft auch dies in heißer Luft. Und auch sein Opfer, Anne Hampton hat nichts, was sie irgendwie großartig sympathisch machen würde, dass man mit ihr zittern würde oder das den Roman eine weitere Dimension geben könnte. Also alles Pappkameraden, über die Katzenbach verfügen kann ohne es sich und den Lesern all zu schwer zu machen.
Wer auf solide, geradlinige und gruselige Horror- und Spannungsliteratur steht, der ist mit diesem Buch bestimmt ganz gut bedient. Alle, die von einem Krimi etwas mehr erwarten, sollten aber die Finger von diesem Katzenbach lassen!
John Katzenbach Der Fotograf Aus dem Amerikanischen von Anke Kreutzer
Psychothriller
Knaur Taschenbuch Verlag
Oktober 2007
680 Seiten, EUR 8,95
ISBN-10: 3426636980
ISBN-13: 9783426636985