Nach dem Tod seiner Eltern lebt Ben bei seiner literaturverrückten amerikanischen Tante, ohne ihre Leidenschaft für Bücher wirklich teilen zu können oder zu wollen. Erst als seine Tante verschwindet und ihm ein seltsames Amulett zurücklässt, begreift er, dass die Kenntnis der Literatur lebensrettend sein kann.
Der fünfzehnjährige Ben kann mit der Bücherleidenschaft seine Tante Lynn nicht viel anfangen, er will es auch nicht, ist er doch nach dem Tod seiner Eltern, gezwungen, bei ihr zu leben. Doch als auch seine letzte lebende Verwandte verschwindet und nur ein seltsames Amulett zurücklässt, lässt er sich auf eine abenteuerliche Reise in die Welt der Bücher ein, zunächst noch unfreiwillig, denn das zerbrochene Schmuckstück saugt ihn direkt hinein in Shakespeares Romeo und Julia.
Fassungslos muss Ben zusehen, wie Romeo vor seinen Augen von alptraumhaften Schattenkriegern ermordet wird. Zusammen mit Julia und Mercutio gelingt ihm die Flucht, doch das Ziel ist ein Unerwartetes, denn die Reise führt sie in Hermann Melvilles Moby Dick. Quer durch die Literatur flüchten die drei vor den Schattenmördern, während sie verzweifelt versuchen, nicht nur den Grund für das Meucheln sondern auch ein System hinter der wüsten Reise zu entdecken.
Anzeige Der Wunsch, literarische Figuren zum Leben zu erwecken, schlummert wahrscheinlich in jedem Bücherliebhaber, und dieser Wunsch erklärt den Erfolg von Autoren wie Jasper Fforde oder Cornelia Funke. Das Autorenduo Wortberg und Theisen springt auf diesen Zug auf, indem er seinen jugendlichen Helden auf eine wilde Reise quer durch die Klassiker englischer und deutscher Literatur schickt. Und hier beginnt auch schon das erste Problem – die Frage nach der Zielgruppe. Der Held und seine eher einfach gestrickten emotionalen Verwicklungen mit Julia und Mercutio legen eine jugendliche Leserschaft nahe, der eine Identifikation mit dem fünfzehnjährigen Ben und seinen Nöten gelingt. Andererseits zieht ein derartiges Buch seine Faszination aus der Tatsache, das fiktive und literarische Charaktere interagieren, zu denen man einen Bezug hat. Und wie viele Teenager kennen Werther, die unbekannteren Bücher von Gullivers Reisen oder gar Joseph Conrads Herz der Finsternis?
Hinzu kommt, dass die einzelnen Bücher auf nur wenigen Seiten abgehandelt werden, ehe die drei Helden zum nächsten Roman weiterhetzen. Dazwischen steht eine kurze Inhaltsangabe und die eine oder andere Information, die Ben auf seiner Suche weiterbringt. Diese sind logisch aufeinander aufgebaut und zumindest die Aufklärung am Ende hat Tempo und Dramatik, dennoch lässt sich nicht verhehlen, dass Der Geist der Bücher wahrscheinlich Schwierigkeiten auf dem Buchmarkt bekommen wird. Für Jugendliche fehlt weitgehend der Bezug zu den eigenen Leseerfahrungen, während Erwachsene die Behandlung der literarischen Werke allzu flach finden werden. Es fehlt einfach der Zauber, den ein Sprung in die Buchwelt haben sollte, es fehlt auch die zwingende Notwendigkeit, warum gerade diese Figuren ausgewählt wurden, denn sie handeln stereotyp und werden auf Stichwortgeber reduziert, obwohl es doch gerade ihre Komplexität war, die sie unsterblich gemacht hat.
Fazit: Verschenkter Ansatz, dessen Zielsetzung nicht klar wird.