Der Drei-Sterne-Koch Jean Claude Bourgueil ist Franzose. Deutschland ist seine neue Heimat geworden. Neben seinem Drei-Sterne-Restaurant „Im Schiffchen“ besaß er noch das „Aalschokker“ mit einem Stern. Hier wurde ausschließlich deutsche Küche angeboten. Seit 37 Jahren lebt Jean Claude Bourgueil nun schon in Deutschland. So ist dieses Kochbuch ein deutsches, wenn auch aus französischer Sicht geschrieben.
Deutsche Küche, das sind Thüringer Klöße mit Sauerbraten, Pichelsteiner Eintopf, Kohlroulade, Leipziger Allerlei, Labskaus, Kartoffelpuffer, Strammer Max, Kartoffelsalat, Westfälische Apfeltorte, Armer Ritter, Schupfnudeln, Rollmops, Frikadellen, Kalter Hund, Baumkuchen, Weihnachtsstollen und vieles mehr. Die Liste könnte man beliebig fortsetzen. So findet man diese und viele andere Rezepte im Buch, so, wie sie Jean Claude Bourgueil kennen gelernt hat.
Jedes dieser Gerichte hat eine Geschichte zu erzählen. Und auch diese gibt der Kochbuch-Autor weiter, zusammen mit Food-Fotografen Thomas Ruhl, der auch viele der Texte verfasst hat. Die Esskultur der Deutschen wird beleuchtet. Hier kommt Historisches zur Sprache und auch regionale Unterschiede werden benannt. Das geschieht alles auf sehr unterhaltsame Art und Weise. Das vorliegende Buch ist Kochbuch und Lesebuch zugleich.
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Die Rezepte bestehen aus Zutatenliste und Zubereitungsanweisung. Diese ist so geschrieben, dass man den Eindruck gewinnt, neben dem Meisterkoch zu stehen und bei der Zubereitung zuzusehen, so bildhaft wird beschrieben, was zu tun ist.
Präsentiert werden alte traditionelle Gerichte. Oftmals haben diese die Fantasie des Meisterkochs beflügelt und er stellt eine neue Variante des Gerichtes vor, der Zeit und sicher auch seinem Geschmack angepasst. Damit beflügelt er auch die Fantasie des Lesers, einmal etwas anderes auszuprobieren. Die „Fälschungen“ machen sich gut neben den Originalen.
Die Schweinekopfsülze kommt nun mit Krautsalat und Zwiebelquark daher. Das Kaninchen wird mit Zimtsauce und Spätzle gereicht. Das Lübecker Schwalbennest kommt auf die klassische Art daher, wird aber vom Meisterkoch noch einmal neu interpretiert. Das Leipziger Allerlei wird mit Flusskrebsen und Kräutern serviert. Auch ein Kartoffelsalat-Rezept, so wie es Jean Claude Bourgueil mag, fehlt nicht. Die Schwarzwälder Kirschtorte wird neu gestaltet. Der Kalte Hund kommt mit Kaffee getränkt und Schokoladenschaum daher und neben dem Dresdner Stollen macht sich der geeiste Stollenauflauf wirklich gut.
Man wird angeregt, mal wieder nach alten Rezepten zu kochen, aber auch mit diesen als Grundlage neues, modernes zu kochen, etwas Besonderes aus Althergebrachtem zu zaubern.
Daneben gibt es viele spannende Hintergrundinformationen zu den Gerichten und den Zutaten. Die Deutsche Küche wird interpretiert und es wird gezeigt, wie Traditionen lebendig gehalten und Feste gefeiert werden. Gesprochen wird über deutsche Wurst, deutsches Bier und den deutschen Wein.
Das Buch ist sehr aufwändig gestaltet. Die großformatigen Fotos sprechen eine eigene Sprache. Aus traditionellen Gerichten sind Meisterwerke geworden, perfekt angerichtet und damit auch für das Auge ein Genuss.
Hobbyköche werden ihre Freunde an dem Buch haben, sowohl beim Wiederentdecken alter Gerichte, aber auch beim Ausprobieren neuer Variationen, die man gut einer gehobenen Küche zuordnen kann.
Jean Claude Bourgueil, Thomas Ruhl Typisch Deutsch: Neues aus der klassischen regionalen Küche Fackelträger Verlag, 2007
S. 288 Seiten, gebunden, EUR 69,00
ISBN 3771643384