In den Mitgliedern des „Verein Regenbogen“ haben behinderte Menschen endlich Anwälte gefunden, die unermüdlich und oft unbequem für die Rechte derer kämpfen, die es selber nicht können. Als die Regenbogen-Mitglieder einer nach dem anderen ermordet werden, steht Hauptkommissarin Ann Kathrin Klaasen vor der ersten Bewährungsprobe ihrer Karriere.
Ulf Speicher ist das, was man einen vorbildlichen Bürger nennt. Mit seinem Regenbogenverein setzt er sich für die Rechte Behinderter ein, verschafft ihnen Arbeit oder sorgt dafür, dass sie nicht von habgierigen Verwandten ausgenutzt werden. Dass er ab und zu seine Freundin mit einer willigen Touristin betrügt, ist mehr oder weniger eine menschliche Schwäche. Dass er in den Armen einer solchen erschossen wird, nun, das ist Mord, und Ulf ist nicht das einzige Mitglied des Regenbogenvereins, das auf der Liste des unbekannten Killers steht.
Hauptkommissarin Kathrin Klaasen ist tief schockiert. Nicht nur ihr Mann betrügt sie mit einer jüngeren Frau, auch ihr Sohn Eike entscheidet sich, mit seinem Vater und seiner Geliebten zusammenzuziehen. Mit aller Kraft stürzt Kathrin sich in die Arbeit und bald führt ihre Spur zu Sylvia Kleine. Sie ist schwerreich, hat das Gesicht eines Engels und ist geistig zurückgeblieben. Kein Wunder, dass sie die Glücksritter nur so anzieht, doch der Regenbogenverein stellt sich zwischen sie und die Parasiten. Kathrin glaubt, das Motiv für die Morde gefunden zu haben.
Anzeige Wie jedes andere Genre ist auch der Kriminalroman gewissen Moden unterworfen, die sich insbesondere in der Charakterisierung der Ermittlertypen niederschlägt. Nach der adligen Schnüffelnase, der schrulligen Hobbydetektivin oder dem weltschmerzgeplagten Melancholiker scheint nun ein neuer Typ den Buchmarkt erobern zu wollen: die Neurotikerin. Sie zeichnet sich nicht nur durch ihre Ehe- und Familienprobleme aus sondern auch durch die eine oder andere Macke in ihrer Kindheit.
Kathrin Klaasen ist nicht nur durch das Scheitern ihrer Ehe tief verstört sondern auch durch den Tod ihres Vaters, der sie im Laufe des Romans zumindest zu einer Kurzschlusshandlung verführt. Wahrscheinlich sollen diese Verletzungen menschlich wirken und die Sympathie des Lesers wecken, leider stellt sich im Fall Klaasen mitunter die Frage, wie man diese Frau im Polizeidienst belassen kann. Die kurzfristige Suspendierung scheint mehr als überfällig, Klaasen mehr eine Gefährdung für sich und andere.
Dabei ist der Fall „Regenbogenmörder“ in der Anlage durchaus clever und überraschend. Ob die distanzierenden Einschübe eines allwissenden Erzählers, mit dem er immer wieder das nächste Opfer ankündigt, die Spannung verstärken oder doch eher distanzierend wirken, muss jeder Leser für sich entscheiden, jedenfalls ist die Erzählweise in sich stimmig und transportiert gut das Lokalkolorit der ostfriesischen Küste. Auch die Auflösung gekonnt mit gängigen Lesererwartungen und hält so auch für Krimifans noch Überraschungen bereit. Die Stärke liegt also eindeutig in Bereich des Aufbaus, während die Charaktere leider nicht ganz mithalten können. Fazit: Trickreicher Ostfriesenkrimi mit überzeichneter Hauptfigur.