Die Leiche ist mit Diamanten geschmückt, am Kühlschrank hängt eine unbeholfene Kinderzeichnung. Das ist der Tatort, den Polizei und Spurensicherung im Nobelwohnkomplex vorfinden. Dabei hatte die schöne, wohltätige Grace laut Aussagen ihrer Freunde nicht einen Feind. Die Spur führt in die Kinderklinik, die das Opfer mit großzügigen Spenden unterstützt hat.
Spurensicherungsexpertin Evelyn James wird zu einem makaberen Tatort gerufen. Die schöne, reiche Grace Jones wird in ihrem Penthouse gefesselt und mit Schmuck behängt gefunden. Der erste Verdacht fällt auf ihren Mann, der seine Frau nach eigener Aussage wegen ihres Geldes geheiratet hat, doch dass der Fall nicht so einfach liegt, erkennt die Polizei spätestens, als der Killer wieder zuschlägt. Diesmal überlebt das Opfer zwar, doch es ist Marissa, Evelyns Kollegin und Freundin. Und sie ist nicht die letzte.
Während Marissa mit dem Tode ringt, kommt Evelyn dem Täter selbst gefährlich nahe. Zusammen mit David, ihrem Freund bei der Polizei, versucht sie, auf den gemeinsamen Nenner zwischen den Opfern zu kommen und erfährt so von einer Kinderklinik, mit deren Spendenausschuss alle Opfer in Berührung gekommen sind. Die zweite Gemeinsamkeit ist die Kinderzeichnung, die der Täter an den Tatorten zurückgelassen hat. Ein Blick ins Zeitungsarchiv bringt Evelyn einen bedeutenden Schritt weiter.
Anzeige Mit Engelsgleich setzt Elizabeth Becka ihre Reihe um die Forensikerin Evelyn James fort, die sie 2005 mit Mit dem letzten Atemzug ins Leben rief. Spätestens jetzt sind Serienpotential und Stammpersonal klar, denn Evelyn James ist nicht nur die professionelle Ermittlerin, sie ist auch die bisweilen überbesorgte Mutter ihrer halbwüchsigen Tochter Angel und die verletzte Frau, die Schwierigkeiten hat, ihren Liebhaber und Freund David näher an sich herankommen zu lassen.
Dieses Gerüst emotionaler Verwicklungen wird wiederum mit einem Fall um spektakuläre Morde und akribische Spurensuche verquickt, der mit allen seinen Details dazu angetan ist, die Aufmerksamkeit des Lesers zu fesseln. Im Gegensatz zu Evelyns erstem Fall ist eine deutliche Veränderung festzustellen. Während die Autorin die Anfangsholprigkeit ihres Debütromans überwunden hat, hat sich nunmehr eine gewisse Routine eingeschlichen. Die Nebenfiguren, die in Mit dem letzten Atemzug noch auf sich aufmerksam machen konnten, sind in ihrem neuen Roman mehr oder minder austauschbar.
Alles in allem darf der Leser sich auf eine spannende, flüssig geschriebene Geschichte freuen, die sicher mit anderen Vertretern dieses Genres mithalten kann, die aber Eigenständigkeit und Anfangsfrische weitgehend vermissen lässt. Evelyn James ist ein Kind des Zeitgeschmacks, das das Publikum sicher erreicht, das aber andererseits aufpassen muss, nicht in der Masse unterzugehen.