"Renaixença" bezeichnet die Bewegung Mitte des 19. Jahrhunderts durch die ein neues politisches Bewusstsein der Katalanen aufkam, das hauptsächlich aus dem wirtschaftlichen Aufschwung durch die Industrialisierung sowie dem Einfluss der europäischen Romantik entstand. Es führte zur "Wiedergeburt" der Sprache und damit auch der Literatur und der katalanischen Kultur insgesamt.
Man identifiziert sich mit der deutschen Klassik und Romantik, allen voran: Goethe. Zu dieser Zeit wurden zwei spätere Volksidole und erstrangige Vertreter der katalanischen Literatur geboren: der Dichter Jacint Verdaguer (am bekanntesten ist wohl sein Epos „L’Atlàntida“) und der Dramatiker Àngel Guimerà (schrieb unter anderem „Maria Rosa“, „Terra baixa“ und „La filla del mar“). Sie machten aus dem Katalanischen eine moderne und für volkssprachliche Elemente offene Literatursprache. Ihre Werke wurden in mehrere Sprachen übersetzt und führten zu einer internationalen Anerkennung der katalanischen Literatur.
Ende des 19. Jahrhunderts schaffte nach Lyrik und Theater letztlich auch die katalanische Prosa den Weg zur Moderne und zur Weltoffenheit, ohne dabei die Verbindung zur nationalen Realität zu verlieren. Naturalismus verdrängte die romantischen Strömungen. Die Literaturproduktion versuchte sich an die Seite der übrigen europäischen Literaturen zu stellen.
Aufbruch zum „Modernisme“
Die modernistische Bewegung hatte viele europäische Einflüsse, darunter etwa die Philosophie Nitzsches, Ibsens Theater oder ästhetische Neuerungen wie „Modern Style“, „Art nouveau“ oder „Jugendstil“. Zu dieser modernistischen Bewegung zählt auch Antoni Gaudí, dessen Architektur zum Wahrzeichen Barcelonas wurde.
Einer der modernistischsten Schriftsteller und Maler war Santiago Rusiñol i Prats, der mit „L’alegria que passa“ („Die Freude geht vorbei“) eine Apologie der Poesie in der Art des Symbolismus verfasste. Rusiñol war zudem einer der Leiter des „Els 4 Gats“ („Die vier Katzen“), Künstlerlokal und Zentrum des Modernismus, wo unter anderen auch der spanische Maler Pablo Picasso verkehrte.
Anzeige In den Anfängen des 20. Jahrhunderts nahm die Bemühung um eine Institutionalisierung des Katalanischen eine zentrale Rolle ein. Pompeu Fabra i Poch bereinigte und modernisierte die katalanische Sprache, machte sie „handhabbar“ für die moderne Literatur. Sein „Diccionari General de la Llengua Catalana“ erschien 1932. In der Kunst finden sich ebenfalls zwei bedeutende katalanische Maler des Surrealismus: Salvador Dalí i Doménech und Joan Miró. Letzterer arbeitete des öfteren mit J. V. Foix, einem Journalisten und Schriftsteller, und erstellte zum Beispiel Umschlag und Illustrationen für Foix’ Gedichtband.
Mit dem Fall der Monarchie 1931 und dem Ende der Diktatur Primo de Riveras begann für die institutionelle Verankerung der katalanischen Kultur eine neue Etappe mit dem Höhepunkt der Ratifikation des Autonomiestatuts. Katalonien zeigte sich offen für kulturellen Austausch und kulturelle Initiativen. Die Blütezeit der katalanischen Literatur endete jedoch wieder abrupt mit dem Eintritt des Bürgerkriegs 1936 und dem letztlichen Fall Barcelonas 1939. Folge war unter anderem eine kulturelle Unterdrückung und das Verbot der katalanischen Sprache in der Öffentlichkeit. Für viele bedeutete die Niederlage das Exil. Der eigentlich als Berichterstatter des Krieges nach Spanien geschickte George Orwell hat in seinem Buch „Homage to Catalonia“ („Mein Katalonien“) ein beeindruckendes und berührendes Zeugnis über den Konflikt der katalanischen Geschichte hinterlassen.
In den Folgejahren der Franco-Diktatur war die katalanische Literatur stark eingeschränkt. Es gab eher Neuauflagen als Neuerscheinungen. Die Lyrik erholte sich zuerst. Hauptrepräsentanten waren zunächst Carles Riba und der bereits benannte J. V. Foix, später dann Joan Oliver und Salvador Espriu (u.a.: „La pell de brau“ („Die Stierhaut“)). Populär wurden diese Künstler erneut – wie in der Entstehungszeit der katalanischen Literatur – durch Spielleute, die Sänger der „Nova canço“.
Ein weiterer wichtiger katalanischer Autor ist Josep Pla. Waren seine Werke während der Franco-Zeit noch verboten, gilt er heute als einer der meistgelesenen katalanischen Autoren. Besonders interessant sind seine Reiseeindrücke, die lebendige Darstellung von Land und Leute Kataloniens, hinterlassen in einem fünfzigbändigen Werk. Einer der gefeiertesten und besten Romane des 20. Jahrhunderts ist „La plaça del diamant“ von Mercè Rodoreda i Gurgui.