"Wenn die Sprache uns hindert, lasst uns einander durch die Liebe verstehen" (Ramon Llull, Klassiker der katalanischen Literatur).
Die katalanische Nation ist bereits 1000 Jahre alt, katalanische Literatur gibt es seit über 8 Jahrhunderten. Katalonien verfügt also über eine traditionsreiche und vielfältige Literatur. Ursprünge der Literatur zeigen sich im 12. und 13. Jahrhundert, einer Zeit, in der Katalonien die Grenze zwischen einem christianisierten Europa und der islamischen Welt bildete.
Katalanisch war dort die aus dem Vulgärlatein entstandene gesprochene Sprache und entwickelte sich nach und nach zur Schriftsprache, etwa in einem Rechtscodex wie dem „Forum iudicum“ (ältester katalanischer Text der Überlieferung), einer Predigt wie den „Homilies d’Organyà“ oder den „Regles de trobar“ (Regeln zum Dichten) von Jofre de Foxà. Ende des 13. Jahrhunderts hatte sich Katalanisch als Prosa durchgesetzt und drang in die Dichtung der Troubadoure ein. Die damaligen Lieder der Troubadoure werden auch heute noch gesungen, zum Beispiel der der mallorcinischen Sängerin Maria del Mar Bonet i Verdaguer.
Ebenfalls im 13. Jahrhundert wurde eine der wichtigsten Persönlichkeiten der katalanischen Kultur und des Mittelalters überhaupt geboren: Ramon Llull, besser bekannt als Raimundus Llull.Philosoph, Logiker, Theologe, ein großer Denker seiner Zeit und ein Mann der Tat. Er schrieb lateinisch für die Christen, arabisch für die islamische Welt, und war der erste, der in einer romanischen Sprache, in Katalanisch, philosophische Schriften verfasste. Und nicht nur das, er verfasste auch katalanische Gedichte, Erzählungen und Prosa aller Art. Eines seiner wichtigen Werke dieser Zeit stellt das „Buch des Ritterstands“ dar.
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Leibniz sollte sich 4 Jahrhunderte später an Llulls logischem System für den Bau einer Maschine erinnern und diese nutzen. Llull war es also zu verdanken, dass die katalanische Literatur in Europa bekannt wurde.
Die ebenfalls im 13. Jahrhundert beginnende Expansion der katalanischen Herrschaft im Mittelmeerraum hatte dort zudem zur Folge, dass die Sprache bis Ende des 15. Jahrhunderts eine der ersten wurde, in die man Werke übersetzte, zum Beispiel die der italienischen Renaissance.
Ein weißer Ritter als Schritt Richtung Moderne
„Tirant lo Blanc“, eines der wichtigsten Werke in der katalanischen Literaturgeschichte – vom Stellenwert vielleicht vergleichbar mit Spaniens „Don Quijote“ von Miguel de Cervantes Saavedra, der Joanot Martorells Meisterwerk selbst als das beste Buch der Welt bezeichnete – erschien ebenfalls im 15 Jahrhundert. Der Ritterroman, der hauptsächlich in der alten Reichshauptstadt Byzanz spielt, das zu dieser Zeit bereits durch die Türken erobert worden war und nun Konstantinopel hieß , stand vorausschauend im Kontext der dadurch ausgelösten Krise des Abendlandes. Die Ideen bezog Martorell aus Llulls „Buch des Ritterstands“ und aus traditionellen Ritterromanen. Er brachte die abendländische Erzählkunst jedoch um einen enormen Schritt weiter, indem er erstmals realistische Beschreibungselemente einführte – Kennzeichen des modernen Romans. Dadurch hatte „Der Roman vom weißen Ritter“ großen Einfluss auf die nachfolgende Literatur. So übernahm Shakespeare in „Much ado about nothing“ („Viel Lärm um nichts“) sogar Szenen daraus. Im selben Jahrhundert sollte ein weiterer großer Autor bekannt werden: Ausiàs March, einer der großen Dichter seiner Zeit, der der katalanischen Dichtung formale und geistige Tiefe gab. Er schrieb viele Gedicht, die heute in drei große Zyklen unterteilt sind: „Els cants d’amor“, „Els cants de mort“ und „El cant espiritual“.
Nach Vereinigung der katalanisch-aragonesischen mit der kastilischen Dynastie Ende des 15. Jahrhunderts – unter der durch die Aufnahme des Kastilischen als Hofsprache auch die katalanische Literatur litt – , verlor Katalonien zunächst als Folge des Pyrenäenabkommens von 1659 das Gebiet nördlich der Pyrenäen an Frankreich. Nach der Niederlage Österreichs, auf dessen Seite Katalonien im Erbfolgekrieg gegen die französische Dynastie stand, verloren die Katalanen die Unabhängigkeit und wurden der neuen spanischen Krone einverleibt – so endet Anfang des 18. Jahrhunderts die Geschichte des katalanisch-aragonesischen Reiches.