In seinem ersten Thriller "Die Chemie des Todes" hat er seinen Protagonisten, den forensischen Anthropologen David Hunter, bereits seinen Lesern vorgestellt - und viele Fans gewinnen können. Logisch, dass eben dieser Hunter, dessen Name mehr als sprechend ist, auch in Becketts zweitem Roman auf Tätersuche geht. Allerdings macht er das alles andere als freiwillig, wird er doch auf die einsame und weit abgelegene Insel Runa abkommandiert, wo ein pensionierter Polizeibeamter namens Brody eine verbrannte Leiche entdeckt hat.
Schnell stellt sich heraus, dass es kein Unfall, sondern kaltblütiger Mord war - und das beschauliche Örtchen Runa wird zu einem Schauplatz mysteriöser Brandschatzungen und weiterer Morde. Verunsicherung und Panik greifen um sich, zumal schwere Stürme die Verbindung mit dem Festland kappen, und Hunter allein mit Brody und dem mehr als unwilligen Insel-Seargent die Ermittlungen durchführen muss.
Was sich dabei an Abgründen offenbart, geht weit über die bekannten Szenarien vieler Krimis hinaus. Und auch was die Atmosphäre und die Suspense dieses Romans anbelangt, hat sich Beckett weiterentwickelt. Atemlos folgt man Hunter und Brody - nichts wirkt aufgesetzt und kalt konstruiert. Die Handlung läuft zwar überraschend und wenig vorhersehbar ab, verzichtet aber auf unglaubwürdige Griffe ins Kuriosenkabinett sogenannter überraschender Wendungen.
Anzeige Was ebenfalls positiv auffällt, ist, dass Beckett offenbar zu denjenigen gehört, die selbst die schaurigsten Szenarien in einem wohltuend-nüchternen Ton beschreiben ohne all zu reißerisch oder gar melodramatisch zu werden. Auch die exzessiven Beschreibungen dessen, was der Tod mit dem Körper anstellt, die Verwesungsstadien und vollzählige Auflistung aller Maden und Würmer, die die Leiche zersetzen, hat er abgelegt, was vielen Lesern durchaus entgegen kommen dürfte.
Leider ist ihm Johannes Steck, der Sprecher des bei Argon erschienen Hörbuchs in dieser Hinsicht nicht ganz gefolgt, wirken einige Stimmfarben vor allen an den dramatischen Stellen zu aufgesetzt und damit leider störend. Schade, hört man doch dem Sprecher über weite Strecken eigentlich sehr gerne zu. Die Hörbuchfassung ist bearbeitet und leicht gekürzt, was an zwei Stellen auch unverhohlen auffällt - die Sprünge sind zu abrupt. Das hätte man vielleicht besser hinbekommen können.
In summa aber weiß dieses Hörbuch zu fesseln und durch eine spannende Handlung zu überzeugen. Und es lohnt sich - wie bei dem Film "Wild Things" - den Epilog, der zunächst als klassisches "Die Welt ist wieder in Ordnung"-Kapitel daherkommt, bis zum Ende zu hören. Diese Andeutung sollte reichen, um nicht all zu viel zu verraten. Wenn Beckett so weiter macht, dann darf man durchaus freudig den dritten Hunter-Krimi erwarten.
Simon Beckett Kalte Asche (Gelesen von Johannes Steck)
Argon Hörbuch, 2007
6 CDs, 449 Min Laufzeit, 29,95 Euro
ISBN-10: 3866103131
ISBN-13: 978-3866103139