Kommissar Klemens Raupach, der in Ungnade gefallene und zum Archivleiter degradierte, einst erfolgreichste Ermittler der Kölner Kripo, stößt auf den Fall "Schiller": Ein anonymer Absender droht in Briefen mit Zitaten aus dem "Lied von der Glocke" Köln mit einem feurigen Inferno. Raupach und seine ehrgeizige junge Kollegin Photini heften sich an die Fersen des Brandstifters und stoßen bei ihren Ermittlungen auch auf eine rätselhafte Mordserie an Bandmitgliedern.
Gibt es da einen Zusammenhang? Wann und wo plant der Attentäter den vernichtenden Brandanschlag auf die Bevölkerung? Fragen, die geklärt werden müssen, und die Zeit drängt, denn "furchtbar wird die Himmelskraft, wenn sie der Fessel sich entrafft"…
"Das eben ist der Fluch der bösen Tat, dass sie, fortzeugend, immer Böses muss gebären…" spricht Schiller durch seine "Piccolomini", und besser könnte man auch Kasturas Roman nicht zusammenfassen. Nicht das "Wer" ist hier gefragt, sondern das "Warum", denn die Frage nach der Täterschaft, die üblicherweise die Spannung im Krimi erzeugt, hat sich für den Leser schnell geklärt. Perspektivisch eingeweiht in Vorhaben und Gedanken von Tätern und Kommissaren, ist der Leser dem Ermittlerduo stets etwas voraus, kann also mitverfolgen, auf welche Weise sich dieses Schritt für Schritt der Lösung annähert. Dem an polizeilicher Ermittlungsarbeit Interessiertem wird hier demnach einiges geboten; Verhöre, die Suche nach Indizien und lange Gespräche unter den Kommissaren werden präzise und glaubhaft geschildert und vermitteln interessante und authentisch anmutende Einblicke in klassische Polizeiarbeit.
Anzeige Darüber hinaus gelingt dem Autor bei seinen Protagonisten eine so realistische Figurenzeichnung, dass man diese beinahe zu kennen glaubt, jeder Charakter individuell aber glaubhaft, keine Handlung, kein Wortwechsel, der nicht aus dem Leben gegriffen scheint.
Dieser Pluspunkt ist bei Kasturas Werk allerdings absolut notwendig, denn durch die nahezu vollständige Allwissenheit des Lesers bezüglich der Verbrechen und Täter fällt klassischer Spannungsaufbau à la "who-dun-it" aus und lässt diesen stattdessen rein über die Psychologie der Figuren entstehen. Warum mordet jemand und was bewirkt die Tat im Mörder selbst? Wie geht man mit persönlichen Fehlschlägen um und wie fühlt es sich an, wenn Tatkraft der Resignation weicht? Das sind Fragen, mit denen sich Kastura in Form seines psychologischen Krimis beschäftigt und er macht es gut.
Warum er jedoch am Ende der Erzählung von seinem Rezept der Spannung durch Figurenpsychologie abweicht und doch noch mit einer überraschenden Schlusspointe aufwarten möchte, bleibt unklar und nagt etwas am Bild eines ansonsten äußerst gelungenen Romans, in dem Spannung und Überraschung dem Einblick in den menschlichen Geist und nicht der aktionsgeladenen Suche nach der Identität des Mörders entspringen.
Um es mit dem hier viel zitierten Schiller auszudrücken: "Verderblich ist des Tigers Zahn, jedoch der schrecklichste der Schrecken, das ist der Mensch in seinem Wahn…"