In einer wunderbar filigranen Erzählweise eröffnet uns Kiran Desai den Blick auf ihre Heimat Indien.
Die Zeit der englischen Kolonialherrschaft ist vorbei.
Ein pensionierter indischer Richter hat sich nach Kalimpong an den Hängen des Himalaya zurückgezogen. Dort lebt er in einem verkommenen Haus mit seinem Hund Mutt, einem Koch und seiner Enkelin, die er mehr aus Notwendigkeit als aus Zuneigung zu sich genommen hat. Der Richter ist ein verbitterter Mann. Seine Tochter war mit einem ihm nicht genehmen Mann verheiratet, der sich in Russland als Astronaut hat ausbilden lassen. Unglücklicherweise sind die Eltern der kleinen Sai in Moskau bei einem Autounfall ums Leben gekommen.
Wie lebt es sich in dieser abgelegenen Welt?
Zwei Damen in der Nachbarschaft unterrichten Sai, bis ihre Kenntnisse nicht mehr ausreichen und ein Hauslehrer ins Haus kommt: Gyan! Natürlich verliebt sich Sai in dieser verlorenen Gegend in ihn, der die einzige Abwechslung zu bieten vermag in einem ansonsten trostlosen Ambiente.
Und dann gibt es auch noch den Koch, der immer dann lebendig zu erzählen weiß, wenn es um seinen in Amerika lebenden Sohn Biju geht.
In Rückblenden erfährt man die ganze Geschichte dieser vier Personen.
Der Richter hatte in England studiert und unter der Verachtung der Engländer gelitten. Bei seiner Rückkehr hat er seine Frau, die er vor seinem Studienaufenthalt geheiratet hatte, zu ihrer Familie zurück geschickt, weil er sie nicht ertragen konnte. Er hat die englische Lebensart angenommen und zugleich abgelehnt. Er ist sich selbst ein Fremder geworden.
Der Aufstand der Ghurkas Mitte der achtziger Jahre in dem Gebiet verändert das Leben aller Protagonisten. Gyan schließt sich den Rebellen an und verlässt wütend Sai, die seinen Wandel nicht versteht.
Anzeige Im Zusammenspiel der beteiligten Personen wird ein lebendiges und zerrissenes Indien gezeigt, das mit den Folgen der Kolonisation noch lange nicht fertig ist.
Arm und reich bilden einen unüberbrückbaren Gegensatz. Die Moderne ist noch nicht angekommen, und die Charaktere zeigen, dass es die Starken sind, die dem Land zum Auftrieb
verhelfen könnten.
Biju kehrt zu seinem Vater zurück, Sai verlässt das Dorf, und der unsympathische Richter bleibt alleine zurück.
Es ist eine Buch, das eine aufgewühlte Welt zeigt, die noch viele Jahre der Konsolidierung brauchen wird, um zu einer ruhigen, friedlichen und ausgewogenen, auch zu einer von sozialer Gerechtigkeit getragenen Gesellschaft zu werden.
Kiran Desai schreibt leidenschaftlich und engagiert. Man merkt ihr an, dass in dem Buch das Thema verhandelt wird, das ihr am meisten am Herzen liegt.
Wer sich für Indien, seine Widersprüche und Unausgeglichenheit interessiert, der wird mit dieser Lektüre auf seine Kosten kommen.
Es ist ein wild, lebendig und ausufernd beschriebenes Szenario einer uns noch sehr fremden Welt!
Indien Mitte der achtziger Jahre. Auf einer verwunschenen Sturmhöhe an den Hängen des Himalaja erlebt die sechzehnjährige Sai inmitten der Unwetter des Monsuns ihre erste Liebe. Als Aufständische das Anwesen überfallen, gerät ihre Welt aus den Fugen. Ein anrührendes, weit über die Kontinente gespanntes Panorama von Liebe, Terror und Migrantentum.
In Kalimpong, an den Hängen des Himalaja, versammelt sich eine ganze Menagerie verschrobener Gestalten. Hier bringen die Naturgewalten Schönheit und Zerstörung zugleich. Auf einem abgelegenen, von Termiten zernagten Anwesen vergöttert der Richter Jemubhai Popatlal Patel seine schöne Setter-Hündin Mutt. Die Enkelin Sai verliert sich in der Welt Jane Austens und verzehrt sich nach ihrem Hauslehrer Gyan. In einer verrußten Küchenhöhle werkelt der grantige Koch, dessen Sohn Biju sich im fernen New York als Küchenhilfe durchschlägt. Kiran Desais erstaunlicher zweiter Roman erzählt nicht nur die anrührende Geschichte vom Liebeserwachen eines jungen Mädchens in einer traumhaft exotischen Welt, umgeben von Mungos, Gleithörnchen und riesigen Schmetterlingen. Vor dem historischen Hintergrund des indischen …