Was macht man mit einem Buch, von dem nach der Lektüre eigentlich nur der Gedanke an des Autoren Vater und an die wiederholte Ungeheuerlichkeit des falsch geschriebenen Wortes Sinfonie - dem Leser sei hier die falsche und nackenhaarsträubende Schreibweise erspart - bleibt? Am besten sollte man über das Buch schweigen und den verlorenen Stunden hintertrauern, die man dem Buch gewidmet hat. Doch ganz so einfach sollte man es sich mit dem Erstling Schwarzer Mohn von Daniel Vázquez, dessen Vater niemand Geringeres ist als Manuel Vázquez Montalban, den Schöpfer der Pepe Carvalho-Romane, nicht machen.
Der Autor kommt schon auf den ersten Seiten zum Punkt und bietet eine klassische Genre-Exposition: Die plötzliche Zerstörung der vermeintlich idyllischen Welt durch einen Boten aus dunkler Vergangenheit. Wir befinden uns in einem kleinen spanischen Restaurant, das von dem aufstrebenden deutschen Koch Michael Roddick und dessen Adoptivtochter geführt wird, als ein Gast auf sich aufmerksam macht, der ein alter Bekannter Roddicks ist. Beide kennen sich aus der Zeit des Kalten Krieges, als sie in Diensten des BND standen. Natürlich geht es, wie bei allen Spionen um schöne Frauen, um verletzte Eitelkeiten und offene Rechnungen. Und da es für Gentlemen nichts schlimmeres gibt als offene Rechnungen, scheint die Zeit gekommen zu sein, eine solche zu begleichen.
Anzeige Als Roddick in einem Briefumschlag eine Blüte schwarzen Mohns vorfindet, weiß er, dass es um sein Leben und das seiner Tochter nicht mehr ganz so gut bestellt ist. Also entscheidet er sich, alle, die ihm gefährlich werden könnten, aus dem Weg zu räumen. Vázquez bedient sich in seinen Schilderungen und seiner Handlungsführung an Motiven aus zahlreichen Splatterfilmen, von denen man nicht weiß, ob er sie parodistisch oder vollen Ernstes einsetzt - und leider flacht das Buch hier erstaunlich schnell ab. Viel zu oberflächlich und mit einem ganzen Konvolut an vermeidbaren Klischees manövriert Vázquez seine Leser durch seine stellenweise ziemlich abstruse Europa-Reise. Wusste der Beginn noch durch eine gewisse sprachliche Spritzigkeit, Humor und präzise Schilderungen zu überzeugen, langweilt Michael Roddicks Rachefeldzug leider zutiefst - und man wäre geneigt, das Buch schnell wieder zurück ins Regal zu legen. Doch ab und an schimmert das Talent dieses Autors durch, es gelingen ihm schöne Bilder und - aber leider viel zu selten - gelungene Einblicke in das Seelenleben seines Protagonisten. Allein, es reicht nicht, den negativen Eindruck wettzumachen - aber man würde es dem Autor wünschen, diesen in einem zweiten Buch ins Positive zu wenden.
Ob der Protagonist Michael Roddick in Serie geht - diese Frage hat der Verlag wohl noch nicht entschieden, jedenfalls gibt es keinen Hinweis darauf. Doch die Figur hat einiges Potenzial und es bleiben einige Fragen am Ende des Buches offen, dass die Vermutung vielleicht nicht ganz so weit hergeholt ist. Warten wir es ab - und hoffen, dass es Vázquez dann besser macht. Die Anlagen dazu hat er. In der Zwischenzeit aber kann man sich getrost noch einmal den ein oder anderen Pepe Carvalho-Roman zu Gemüte führen.