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Gott PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Dominik Nüse, am 01-10-2007 17:00
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Manfred Lütz - Gott Gemeinhin gelten Theologen als Geheimwaffe für jede PR-Abteilung: Sind sie doch geschult, beredt über Dinge zu berichten, die man nicht beweisen kann. Das Reden über Gott - und wer schon einmal das Vergnügen hatte, eine Vorlesung etwa in Dogmatik oder Fundamentaltheologie zu hören, der weiß, was ich hier meine - stellt eine der wichtigsten Übungen dar und fördert in der Regel den kreativen Sprachgebrauch - und wenn man nicht so oft vom nächst-oberen Hirten gedeckelt würde, würden unter den inzwischen mehr als unzähligen Büchern und Aufsätzen über Gott weitaus mehr lesbare und unterhaltsamere Abhandlungen über eben diese schwierige Thema existieren. Doch viel zu sehr lassen sich die Autoren von dem alten deutsches Leitsatz, nur ernsthaft lasse sich über Ernsthaftes reden und schreiben, leiten.

 

Manfred Lütz, umtriebig wie kaum jemand, hat sich nun in seinem vor Sprachwitz nur so funkelnden Buch "Gott. Eine kleine Geschichte des Größten" eben jenem gewidmet. Manch einer kennt ihn aus diversen Talkshows oder auch von seinem zuletzt erschienen Buch "Lebenslust" und solch wunderbar flapsig hingeworfenen, in ihrem Kern aber sehr satirischen und humorvollen Sentenzen und Beobachtungen wie: "Die Leute glauben nicht mehr an den lieben Gott, sondern an die Gesundheit". Und: "Alles, was man früher für den lieben Gott tat - wallfahren, fasten, gute Werke vollbringen -, tut man heute für seine Gesundheit. Unsere Vorfahren retteten ihre Seele, wir unsere Figur. Unsere Vorfahren machten Kniebeugen, wir machen Rumpfbeugen. Unsere Vorfahren bauten Kathedralen, wir bauen Kliniken." Als Beweis führt Lütz die beindruckende Zahl von Fitness-Studio-Mitgliedern an, die im Jahre 2000 erstmals die Zahl der Besucher des katholischen Sonntagsgottesdienstes übertraf.

Eigentlich logisch, dass er sich nun nicht nur mit Gott und all jenen, die ihn im Munde führen, sondern vor allem auch seinen schärfsten Kritikern und Verleugnern widmet. Von den Atheisten ist hier die Rede, die, so alt wie Gott selbst, sich einen Wolf reden, indem sie gegen etwas argumentieren, was es ihrer Meinung nach überhaupt nicht gibt. Dass sie mit dieser Ansicht dabei den Theologen entgegenkommen scheint sie nicht zu stören - lautet doch einer der schönsten Sätze, über den jeder Theologiestudent in seinem Studentenleben stolpert wie folgt: "Ein Gott, den es gibt, den gibt es gar nicht!" 

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In diesem sehr amüsanten Ton führt Lütz seine Leser durch eine Vielzahl an Theorien, Gedankengebäuden und sogenannten Gottesbeweisen, die in der Geschichte Gottes immer wieder aufgetaucht sind. Sein Anspruch, Gottes-Befürworter und -Leugner gleichermaßen und ohne Wertung zu Wort kommen zu lassen, löst er allerdings nicht ganz ein. Es fällt auf, dass die Seite der Gottes-Sympathisanten weitaus mehr Platz eingeräumt bekommt und deren Theorien und Ansichten weniger zynisch umschrieben werden als beispielsweise Nietzsches Triumph über Gott oder Freuds Entdeckung des Unbewußten. Und manchmal beschleicht einen das Gefühl, der Autor wolle unbedingt Recht haben. Allerdings lässt man ihm das wohlgefällig durch, ist er doch von Haus aus Theologe und es wäre wohl unmenschlich, bei solch einem Thema, sich selbst gänzlich zurückzuhalten. Zudem versteht es Lütz, seine Argumente und seine Darstellungen mit so viel plastischen und nachvollziehbaren - beinahe ist man versucht zu sagen: unheiligen - Beispielen anzureichern, dass man das sehr informative Buch in kürzester Zeit durchgelesen und das Gefühl hat, jede Menge über Menschen wie Kant, Nietzsche oder Elton John gelernt zu haben. Wer Gott nun aber wirklich ist, das vermag auch Lütz nicht endgültig zu klären - und es wäre ja auch schade, verliert doch jedes Rätsel und Mysterium seinen Reiz, sobald es entzaubert wurde.

Nicht lesen sollte dieses Buch jeder, der keinen Humor besitzt und seines Lebens Ziel in stiller Entsagung sieht, denn die "gehören wohl zu den Menschen, für die es besser ist, die Zauberflöte nicht zu hören, sondern nur den Text zu lesen. Doch wie kann man als Europäer wirklich über Gott reden, ohne den heiteren Ernst der Musik von Mozart im Ohr?" Für alle anderen dürfte ein Blick in dieses Buch lohnend und alles andere als verschwendete Zeit sein.

 

Bibliographische Angaben

 

Manfred Lütz
Gott. Eine kleine Geschichte des Größten
Pattloch
2007
320 Seiten
Preis: EUR 19,95
ISBN: 3629021581

 



Letztes Update: 01-10-2007 17:56

Veröffentlicht in : Buch, Sachbuch
Schlüsselworte : Manfred Lütz, Gott. Eine Geschichte des Größten, Theologie, Gottesbeweis
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