Eine Familie sitzt beim Mittagessen. Plötzlich stirbt einer der beiden Söhne. Nur dessen Bruder scheint die Situation zu begreifen, während die Eltern diesen eigentlich schmerzlichen Verlust einfach zu ignorieren scheinen. Der Bruder übernimmt quasi den Puppenspieler, und so „lebt“ der Tote nicht nur zuhause weiter, er geht sogar wieder zur Schule.
Eine Frau, die beinahe Selbstmord begeht, im letzten Moment aber von einem jungen Mann gerettet und vom Weiterleben überzeugt wird. Doch tragischerweise fällt der Mann selbst vom Hochhaus.
Ein Mann, der seinem totgeborenen Sohn, den er über das Wochenende im eigenen Kühlschrank aufbewahren muss, noch kurz vor der Übergabe ans Krankenhaus den Ort zeigt, an dem er selbst aufgewachsen ist.
Ein Angestellter, der bemerkt, dass er Gedankenlesen kann und diese Gabe zunächst dazu einsetzt, illegale Machenschaften auffliegen zu lassen, schließlich dadurch jedoch ganz nach oben kommen möchte. Dabei muss er feststellen, nicht der Einzige ist zu sein, der diese Fähigkeit besitzt.
Anzeige Dies sind nur einige der insgesamt 18 Erzählungen in Quim Monzós Barcelona. So unterschiedlich sie in der Thematik sein mögen, ist jede einzelne für sich ein Lesegenuss. Monzó schildert humorvolle, tragische, makabere Berichte, aber auch absurde Situationen und Ereignisse, spricht von der Liebe, Erotik, Glück und Unglück. Dabei setzt er auch die Ironie häufig und gekonnt ein.
Der Leser wird mal lachen, mal betrübt sein, aber über jede einzelne Erzählung wird er kurz nachdenken und häufig einen tieferen Sinn erkennen – zum Beispiel in der Erzählung Barcelona, die wörtlich gesehen völlig banal erscheint, beim genaueren Reflektieren aber eindeutig als tiefgründig und als die vielleicht genialste erkannt wird. Wohl nicht umsonst ist gerade sie auch titelgebend.
Fazit: Ein genialer Erzählband von menschlichen Schicksalen und sonderbaren Begebenheiten, das alles rund um die Stadt Barcelona, Hauptstadt Catalunyas und Heimat des Autors. Ein absolut vielfältiger Lesegenuss.