Mark Benecke ist einer der bekanntesten Kriminalbiologen Deutschlands, wenn es darum geht bei Gewaltverbrechen als Sachverständiger die biologischen Spuren zu analysieren.
1970 in Rosenheim geboren,studierte Benecke Biologie, Zoologie und Psychologie an der Uni Köln. Sein Spezialgebiet ist die forensische Entomologie, was soviel gerichtsmedizinische Insektenkunde bedeutet. Das heißt Benecke kann u.a. durch die Besiedelung von Leichen durch Insekten Rückschlüsse z.B. auf Todeszeitpunkt oder Liegedauer der Toten ziehen. Benecke ist Autor mehrere populärwissenschaftlicher Bücher. Zuletzt erschien von ihm "Mordspuren" im Lübbe-Verlag.
literature.de hat Mark Benecke interviewt.
literature.de: Herr Benecke, in Ihrem neuen Buch schildern Sie in der Abhandlung über die Erfolgsserie CSI , dass man in diesem Beruf Dinge wie Blut, Fasern, Haare, Sperma, Kot, Urin und Insekten auswertet, jedoch nicht den Täter. Inwiefern hatten Sie dann Zugang zu dem Kindermörder Luis Alfredo Garavito und mit welchem Ziel wurden die Gespräche mit ihm geführt?
Mark Benecke: Ich habe dort gearbeitet, als er im Knast erkannt wurde, er war ja schon im Knast. Da keiner meiner KollegInnen aus Kolumbien mit ihm arbeiten will, hab ich das ausnahmsweise übernommen - allerdings nur in Bezug auf Bewegungsbilder, Tatortspuren usw., nicht in Bezug auf die Opfer.
literature.de: Was hat Sie dazu bewogen, Bücher zu schreiben?
M.B.: Ich habe mir als Kind geschworen: Wer fragt, kriegt eine Antwort. Ich bin in einer Arbeitergegend aufgewachsen, in der mir nie einer was erklären konnte oder wollte.
literature.de: In Ihrem neuen Buch versuchen Sie die Kategorisierung nach Gut und Böse etwas zu verschleiern, um dadurch objektives Verständnis zu ermöglichen. Inwieweit glauben Sie, dass der Justiz so etwas gelingt bzw. andersherum gefragt, kommt es häufiger vor, dass Gerichten so etwas nicht gelingt, so dass eine Kategorisierung zwangsweise erfolgt und dadurch auch eine Strafe mit sich führen muss?
M.B.: Ich denke, dass gut und böse mit Rechtsprechung nicht viel, allerdings natürlich ein bisschen schon, zu tun haben. Das sind zwei verschiedenen Kategorien, wenns an den Rand des Randes unserer Wahrnehmung geht. Meine Beispiele im Buch dazu sind die Kannibalen und die paraphilen Täter.
literature.de: Sie sprechen in Ihrem Buch mehrmals vom perfekten Mord, den nur Fachleute, nämlich Auftragskiller, durchführen können. Als Deutscher würde man so etwas eher vielleicht in den USA erwarten, was möglicherweise auch Hollywood verstärkt hat. Haben Sie Einblicke, ob es häufiger zu Morden durch Auftragskiller auch hier in Deutschland kommt? Gibt es Zentralen, die heimlich einen Auftrag vermitteln oder wie läuft so etwas ab?
M.B.: In meinem Buch „Mordmethoden“ist ein Fall mit einem Auftragskiller drin, der auch tatsächlich nicht gefasst wurde - der Auftraggeber aber schon. Solche Auftragstaten gibts überall auf der Welt, hat mir den USA nichts zu tun. Es gibt natürlich keine Agenturen, aber es ist auch nicht allzu schwer, einen zu finden, wenn man es ernst meint. Die Gefahr ist natürlich, dass man verpetzt wird.
Anzeige literature.de : Kann es nicht leicht passieren, dass man einen unaufklärbaren, scheinbar perfekten Mord eben aufgrund dieser Tatsache leicht und voreilig einem Auftragskiller zuschiebt?
M.B.: Hab ich noch nicht erlebt, dass eine schwer aufklärbare Tat einem Auftragskiller zugeschrieben wurde, nein.
literature.de : Wie sieht ein typischer Schreibtag aus?
M.B.: Anfragen erledigen, dann ab ca. 12 Uhr in einem Berg aus Akten tippen, suchen, tippen. Zwischendurch wuseln die StudentInnen rum und versuchen, den normalen Betrieb aufrecht zu erhalten, so gut das geht Um ca. 1 oder 2 gehts dann ins Bett und am nächsten Tag wieder los. Ich beweg mich so gut wie gar nicht vom Schreibtisch. Selten bin ich auch im Ausland und mache da aber hauptsächlich Textverbesserungen und -durchsichten (z.b. Marrakesch, Medellin usw., wo ich dann gerade arbeite.
literature.de: Gibt es Kriminalromane, die Sie gerne gelesen haben?
M.B.: Kann ich mich nicht erinnern. Ich lese seit über 20 Jahren keine Romane mehr, aber ich finde die Regel von Sherlock Holmes absolut perfekt, elegant und die grundlage all meiner arbeit:
"When all other contingencies fail, whatever remains, however improbable, must be the truth."
literature.de: Herr Benecke, wir bedanken uns für Ihre Bemühungen.