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Interview mit Tess Gerritsen PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Sven Trautwein, am 14-09-2007 12:18
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Tess GerritsenTess Gerritsen gelang mit "Blutmale" wieder einmal ein spannender Krimi um Detective Jane Rizzoli. so gelingt ihr mit medizinischer Detailgenauigkeit und psychologischer Glaubwürdigkeit der Figuren von einem Band zum nächsten hochbrisante Unterhaltung. literature.de hat sie interviewt.

 

literature.de : Über mehrere Romane hinweg verändern sich Protagonisten natürlich. Entwickelt sich das eher automatisch, also dass die Figuren "reifen" oder legen Sie einen Plan für die Entwicklung fest, dem Sie dann folgen?

Tess Gerritsen :Diese Entwicklung hatte ich nicht im voraus geplant. Viele haben sich zu meiner eigenen Überraschung von selbst ergeben. Einige Figuren entwickelten sich total anders als geplant. Jane Rizzoli sollte eigentlich am Ende von "Die Chirurgin" (engl.THE SURGEON) sterben, aber sie nahm den Kampf auf und gewann. In den folgenden Büchern verliebte sie sich, fand das Glück und wurde zu einer ausgeglicheneren Person - dies war natürlich eine sehr große Änderung -- und wieder etwas, was ich nicht geplant hatte. Wenn ich schreibe, plane ich nicht weit voraus. Meine Figuren sollen sich von selbst weiterentwickeln; Wege, die ich nicht voraussehen kann.  Maura Isles ist ebenfalls voller Überraschungen. In THE SINNER erfuhren die Leser davon, dass sie adoptiert sei.  Danach, in BODY DOUBLE, fand ich heraus, wer ihre wahren Eltern sind -- und ich war geschockt als sie herauszufinden hatte, wie grausam diese waren!

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Ganz konkret am Beispiel Rizzoli: Sie wirkt in Blutmale eher unsympathisch, sehr engstirnig und von sich selbst eingenommen. Sehen Sie generell ein Problem mit "negativen Helden", bei denen den Lesern die Identifikation schwer fällt?

Ich glaube Rizzoli ist eine sehr wertende Person, daraus resultiert auch der starke Konflikt zwischen Maura und ihr in dem Buch.  Sie heißt die Affäre zwischen Maura und dem Priester nicht gut, aber genauso sorgt sie sich um Maura, und möchte sie nicht leiden sehen.  Darum die harten Äußerungen. Obwohl Jane auch schwierig sein kann, tut sie doch immer das richtige, hört auf ihre innere Stimme, ihr Herz - das alles macht aus ihr eine gute Person. (Obwohl ich sie manchmal in dieser Form nicht mag.) Obwohl sie von vielen Lesern als "negative Heldin" bezeichnet wird, trauen sie ihr die richtigen moralischen Entscheidungen zu. Sie ist wieder jeder andere Mensch auf der Welt auch -- mit ein wenig Gutem und Bösem.  Wäre sie rundherum liebenswürdig, wäre sie unglaubwürdig.



Anthony Sasone wirkt wie eine Figur, die fast aus einem Roman der Jahrhundertwende entsprungen sein könnte. Haben Sie selber beim Lesen Affinitäten zu den sogenannten "Krimi-Klassikern" und lassen Sie sich vielleicht auch bewusst davon inspirieren?

Ich liebe historische Roman.  Tatsächlich liebe ich Bücher mit geschichtlichem Hintergrund; "Blutmale" (engl. MEPHISTO CLUB) spigelt meine Liebe zu alten und geheimnisvollen Dingen wider. Ich wollte eine männliche Figur entwickeln, die eng mit der Vergangenheit seiner Familie verbunden ist und mit dem Bösen früherer Generationen. In gewisser Weise könnte er auch direkt aus einem früheren Jahrhundert entsprungen sein, immer noch kämpfend für seine Vorfahren.


Natürlich gehören zu einem guten Krimi sowohl eine spannende Handlung als auch komplexe Figuren, trotzdem erlebt man es bei immer wieder, dass sich Krimireihen um bestimmte Figuren "überleben", weil die Handlung irgendwann hinter die Entwicklung der Figuren zurücktritt. Was sehen Sie eher im Vordergrund - die Handlung, also den Kriminalfall oder die den Lesern vertrauten Protagonisten?

Mich interessiert beides!  Aber was mich an den Krimireihen interessiert ist die Entwicklung von Jane und Maura und wie sie ihre unterschiedlichen Probleme in den Griff bekommen. Sobald eine Figur vollständig zufrieden ist, sind sie für mich weniger interessant. Solange sie Probleme und Konflikte auszustehen haben, beschäftige ich mich sehr mit ihnen.  As long as they are facing problems and conflicts, I want to follow them.  Der Leser kann davon ausgehen, dass Mauras romantische missliche Lage nicht so schnell aufgelöst wird.


Was ist für Sie ein perfekter "Schreibtag"?

Wenn ich vier Seiten geschrieben habe, die ich als "gut" bezeichne.  Das ist alles, was ich mir abverlange -- vier gute Seiten.

Haben Sie einen festen Arbeitsplatz oder wechseln Sie?

Die meisten Schreibarbeiten mache ich in meinem Arbeitszimmer mit Blick auf den See.  Es ist ein schöner aber auch ablenkender Ausblick; ich habe aber gelernt, mich zu konzentrieren. Zudem liebe ich große Tische, auf denen ich meine Utensilien und Sekundärliteratur schön verteilen kann. In meinem Arbeitszimmer kann ich so unordentlich sein und keiner zwingt mich, es aufzuräumen.


Welches sind Ihre Lieblingskrimis?

Das ist eine schwierige Frage. Vielleicht sollte ich so darauf antworten: Folgende Autoren haben mich immer schon fasziniert:  Nicci French, Michael Connelly, Val McDermid, Joseph Finder und Mo Hayder.


Frau Gerritsen, vielen Dank für das Interview.

 


Die Fragen stellten Birgit Erwin und Sven Trautwein - aus dem Amerikanischen von Sven Trautwein

Foto (c) Brian Velenchenko, Pocket Books


Letztes Update: 14-09-2007 12:32

Veröffentlicht in : Autoren Info, Interviews
Schlüsselworte : blutmale, chirurgin, gerritsen, mcdermid, hayder, nicci french, connelly
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