Michael Haller ist Anwalt in Los Angeles. Seine Mandanten sind Prostituierte, Drogenabhängige, Mörder und Vergewaltiger, die eigentlich hinter Gitter gehören. Doch Haller schafft es immer wieder für solche Leute milde Strafen oder gar einen Freispruch rauszuschlagen, bis er eines Tages einen Fall bekommt, der sein ganzes Leben verändert.
Michael Hallers Vater war schon ein berühmter Anwalt, der viele Bücher geschrieben hat. Doch Michael kannte ihn kaum, da er bereits starb, als Michael erst fünf Jahre alt war. Michael hat all seine Bücher mehrmals gelesen und versucht nun in die Fußstapfen des Vaters zu treten. Allerdings scheint Haller weniger die Gerechtigkeit in seinem Beruf zu interessieren, sondern viel mehr das Honorar, das seine Mandanten zu zahlen bereit sind. Je mehr desto besser, es sei denn, der Fall verspricht viel Publicity, dann übernimmt er einen Fall auch mal kostenlos, denn das Fernsehen macht schließlich genug Werbung für ihn.
Eines Tages bekommt er wieder einen Fall an die Angel, der ihm sehr lukrativ erscheint.
Louis Ross Roulet, ein nicht ganz unbekannter, ziemlich reicher Imobilienmakler wird angeklagt wegen schwerer Körperverletztung und versuchter Vergewaltigung.
Anzeige Am Abend zog der Mandant durch die Kneipen, auf der Suche nach weiblicher Gesellschaft für die Nacht. Dabei wurde er von dem Opfer Reggie Campo angesprochen. Er sollte nach zehn Uhr zu ihr kommen. Louis fährt zur vereinbarten Zeit zu ihr, klingelt, sie öffnet die Tür und als Louis wieder aufwacht, sitzen zwei schwere Männer auf ihm, an einer Hand klebt Blut. Reggie Campo dagegen wird schrecklich zugerichtet vorgefunden, ein Auge ist komplett zugeschwollen.
Der Fall erscheint unglaublich eindeutig, doch Haller gelingt es einige wichtige Gegenbeweise zu finden, die für Roulet sogar einen Freispruch bewirken könnten. Der Fall scheint so gut wie gelöst, doch dann gibt es plötzlich Schwierigkeiten. Haller findet heraus, dass Louis zu ihm nicht ganz ehrlich ist und ihm für den Fall Informationen, die von unglaublicher Bedeutung sind, einfach verheimlicht. Das Ganze spitzt sich so zu, dass am Ende sogar Haller selbst im Fadenkreuz steht.
Michael Haller ist ein knallharter, cleverer und gut kalkulierender Anwalt mit einer Menge Durchsetztungsvermögen. Allerdings steht er auf der falschen Seite, da ihm hauptsächlich sein Honorar interessiert. Schmiergelder fließen in Strömen und nicht ganz kritikfreie Informationsbeschaffungsmaßnahmen stehen auf der Tagesordnung. Deshalb endete seine erste Ehe auch in der Scheidung, da seine Frau, die ebenfalls Anwältin ist, immer versucht hat, für Gerechtigkeit zu sorgen und Mörder, die es verdient haben, auch in den Knast zu bringen, anstatt für sie einen Freispruch rauszuboxen.
Haller selbst weiß, dass er eigentlich auf der falschen Seite steht, aber es interessiert ihn nicht wirklich.
Erst im Laufe der Handlung verändert sich Hallers Einstellung zum Thema Gerechtigkeit und seine Person wird dem Leser immer sympatischer.
Haller arbeitet an verschiedenen Fällen, doch im Mittelpunkt steht die Geschichte von Louis Ross Roulet. Der Fall ist unglaublich komplex und längst nicht so leicht zu durchschauen, wie man anfangs glaubt. Immer wieder überrascht der Autor mit unvorhersehbaren Wendungen, die das Buch unheimlich spannend und äußerst lesenswert machen.
Der Fall ist verstrickt, doch Haller zieht seine logischen Schlussfolgerungen daraus und so erschließt sich auch für den Leser Stück für Stück die scheinbare Wahrheit. Sehr interessant lesen sich auch die Kreuzverhöre, die im Gerichtssaal stattfinden. Auf beeindruckende Weise dreht Haller den Zeugen die Worte im Munde um und verstrickt sie in ihren eigenen Aussagen, bis sie sich schließlich selbst verraten.
Fazit: Mit diesem Buch hält der Leser einen unglaublich spannenden und gut durchdachten Gerichtskrimi in der Hand, den es sich zu lesen lohnt.
Michael Connelly Der Mandant Originaltitel: The Lincoln Lawyer
Aus dem Amerikanischen von Sepp Leeb
Heyne Verlag, 2007
525 Seiten, gebunden, 19,95 Euro
ISBN-10: 3453014340
ISBN-13: 978-3453014343