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Fliehe weit und schnell PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Dominik Nüse, am 07-09-2007 17:00
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Favoriten 29

Fred Vargas - Fliehe weit und schnellWas intelligente und originelle Plots betrifft, macht momentan kaum ein Krimiautor der Französin Fred Vargas was vor. Das beweist sie nicht nur in ihrem aktuell erschienen Roman Die dritte Jungfrau, sondern hat ihre Fähigkeiten auch schon beispielsweise in ihrem 2003 in Deutschland erschienen Roman Fliehe weit und schnell gezeigt. 

So unglaublich es scheinen mag – aber sie ist zurück und hat über all die Jahre, die sie sich bedeckt gehalten hat, nichts von ihrem Schrecken und ihrer Grausamkeit verlernt: Die Pest ist wieder aufgetaucht – und das in der Millionenmetropole Paris! Zwar ist es „nur“ ein Gerücht – aber wie das bei Gerüchten nun mal so ist, verabschiedet man sich unter tätiger Mithilfe der einschlägigen Medien lieber mal von der Vernunft und glaubt lieber an das, was doch eigentlich so unglaublich ist.

Und so hält dieses Gerücht ganz Paris in Atem, seit auf immer mehr Wohnungstüren über Nacht eine seitenverkehrte 4 erscheint - ein „Abwehrzeichen“ gegen die Pest - und seit immer wieder schrecklich zugerichtete Leichen gefunden werden. Hinzu kommen einige geheimnisvolle lateinische und altfranzösische Botschaften, die ein alter bretonischer Seemann auf dem Marktplatz des 18. Arrondissements immer wieder zwischen seine laut vorgetragen Annoncen und Nachrichten einbindet – allesamt Auszüge aus einem mittelalterlichen Pestbuch, in dem die große Katastrophe mit apokalyptischen Worten angekündigt wird. Von einem kleinen Getier ist da die Rede, das auf die Erde zurückkehren und Schrecken und Verderben über die Menschheit bringen werde. Tatsächlich finden sich bei den Leichen kleine Rattenflöhe, doch dass es sich bei den Toten nicht um Pestopfer handelt, stellt sich schnell heraus: Die Opfer wurden erwürgt und dann mit Holzkohle eingerieben. Doch die Bevölkerung glaubt der Polizei nicht, wendet sich lieber ihren Urängsten zu und lässt sich ihren Glauben an die Rückkehr der schwarzen Pest nicht nehmen. Der Serienmörder hat freie Bahn und spielt nach Belieben mit den Ängsten und der Panik der Pariser Bevölkerung.


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Wie die bisherigen Romane von Fred Vargas, so lebt auch Fliehe weit und schnell nicht allein von der Spannung. Viel Wert legt die Autorin, die eigentlich als Archäologin tätig ist und ihre Romane in ihrem Urlaub schreibt – was uns zu der Frage führt, wie viel Urlaub Archäologen eigentlich haben!?! -, auch und vor allem auf ihre skurrilen Protagonisten, die herrlich schrägen und humorvollen Dialoge, sowie ihre unglaublich präzisen Milieuschilderungen. Es ist schon beeindruckend, mit welcher Leichtigkeit ihr dies schwere Unterfangen, an dem sich die Mehrzahl der Autoren ihr Leben lang die Zähne ausbeißen, gelingt. Zudem hat Vargas eine ausnehmend sympathische Begabung: Sie kann Krimis unnachahmlich überraschend und originell auflösen. Bin ich eher ein Verfechter offener Roman- und Krimienden, freue ich mich bei jedem Vargas-Krimi auf die Auflösung, befindet sich die Autorin mit ihren Final-Ideen meilenweit entfernt vom sonst so üblichen Rettung-in-letzter-Sekunde-Kitsch ihrer Kollegen. Und so ist es auch kaum verwunderlich, dass sie für diesen Roman 2004 mit dem Deutschen Krimipreis ausgezeichnet wurde.


Grund genug, Fliehe weit und schnell endlich auch als Hörbuch herauszubringen. Und auch das ist wie der Roman ein Highlight. Als Sprecherin wurde Susanne von Borsody, die man an dieser Stelle eigentlich gar nicht weiter groß vorstellen muss, engagiert. Auf 6 CDs mit einer Gesamtspielzeit von gut 430 Minuten wirft von Borsody ihr gesamtes Können in die Waagschale und bietet dem Hörer eine rundum gelungene und äußerst kurzweilige Lesung, die weit über den Standart der aktuellen Hörbuchproduktionen hinausgeht. Sie weiß dem leicht gekürzten Text eine eigene charakteristische Note zu verleihen ohne ihn aber zu verfälschen oder durch übertriebene stimmliche Variationen zu zerstören. Gerade in den dialogischen Passagen des Romans läuft von Borsody zur Hochform auf und setzt den hintersinnigen Humor kongenial um. Dabei gelingt es ihr, dem Text viele Nuancen abzugewinnen, die man beim leisen Lesen – wenn überhaupt – nur sehr schwer erahnen kann.


Fazit: Ein Highlight und eine besondere Empfehlung!

 

 

Bibliographische Angaben

 


 

Fred Vargas
Fliehe weit und schnell.
Gelesen von Susanne von Borsody
Der Audio Verlag D-A-V
August 2007
6 CDs (430 Minuten),
Preis: 24,99 Euro
ISBN: 3898136752

 

 

 

 

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  • Hörprobe



Letztes Update: 24-10-2007 10:41

Veröffentlicht in : Hörbuch, Krimi / Thriller
Schlüsselworte : Fred Vargas, Fliehe weit und schnell, Susanne von Borsody, Pest, Paris, 3898136752, Die dritte Jungfrau, Lesetipp
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