Es kostet Jeff Überwindung, seiner Freundin Beth von dem Familiengeheimnis zu erzählen. Aber nun nach über fünf Jahren kommt sein Bruder Troy aus dem Gefängnis. Er hat einen Jungen getötet. Es war vorsätzlicher Mord. Beth vertraut sich ihren Eltern an, die ihr den Umgang mit Jeff sofort verbieten.
Insgeheim hofft Familie Hastings, dass Troy nur eine zeitlang zu Hause wohnen wird, um sich auszuruhen und zu fangen und um dann weiterzuziehen in eine Großstadt. Nicht umsonst hat sich die Familie in den ruhigen, abgeschiedenen Ort Pineville zurückgezogen.
Doch schon bald ist die Polizei in der Schule präsent. Es ist klar, dass etwas vorgeht, wenn auch noch niemand weiß, was genau. Jeff leidet unter der Eiszeit zwischen seiner Freundin und ihm. Er ist erstaunt, dass sie sich so von ihren Eltern beeinflussen lässt. Er hat keine Ruhe mehr, denn Tommy Fraser, auch Freibeuter Fraser genannt, hat sich von seiner Freundin getrennt und hat es, wie es für ihn aussieht, nun auf Beth abgesehen.
Zunächst sieht es so aus, als könnte Troy sich problemlos in die Familie integrieren. Er nimmt sogar einen Job im Supermarkt an. Der Besitzer ist ein Freund seines Vaters. Mr. Smith kennt nun auch das Familiengeheimnis, will dem jungen Mann aber eine Chance geben.
Anzeige Die Ruhe ist trügerisch. Es kommt zu einer Konfrontation zwischen Jeff und Freibeuter Fraser, in die sich Troy schlagkräftig einmischt. Schon kurz darauf, ist Fraser verschwunden. Nun erfährt im Ort jeder aus der Zeitung, das sich ein verurteilter Mörder in Pineville aufhält. Kann es sein, dass Troy Fraser aufgelauert und ihm etwas angetan hat?
Es ist ein Buch, das zu denken gibt, über gut und böse, über Schuld und Unschuld, über Verantwortung und den Umgang damit. Während Jeffs Eltern durchweg an das Gute in ihrem Sohn glauben, obwohl er ein verurteilter Mörder ist, weiß Jeff sofort, dass Troy sich nicht geändert hat. Die Eltern werden als naive Spießer dargestellt, während Jeff dagegen die Situation von Anfang an durchschaut, was ihm aber auch nichts nützt.
Das Buch bereitet Unbehagen, denn der Autor lässt den Leser die Geschichte von vielen Seiten betrachten, so dass auch dieser das Unheil kommen sehen muss. Allerdings kann man nicht wissen, ob man hier einer Vorverurteilung unterliegt. Das eigenen Rechtsempfinden wird so auf eine harte Probe gestellt.
Der Autor hat einen sehr fesselnden Schreibstil. Er lässt sich auf eine tolle Jugendsprache ein, die das Buch authentisch wirken lässt. Er spielt auf ungewöhnliche Weise mit den Gefühlen seiner Leser. Immer weiter spitzt sich die Lage zu, gipfelt in unglaublicher Spannung. Man erwartet ein rasantes Ende. Doch der Paukenschlag bleibt aus.
David Klass Wenn er kommt, dann laufen wir Originaltitel: Dark Angel
Aus dem Amerikanischen von Alexandra Ernst
Arena Verlag, 2006
325 Seiten, gebunden, 13,95 Euro
ISBN-10: 3401058983
ISBN-13: 978-3401058986