Man hätte auch vorgewarnt sein können: Vor ihrem aktuellen Thriller, der auf den schönen Namen Blutbeichte hört, hat die noch junge irische Krimiautorin Alex Barclay bereits mit Der Schattenturm einen Roman vorgelegt, der eigentlich genau aufzeigte, wo die Stärken und die Schwächen dieser Autorin liegen.
Ihre Stärke: Irland - da kommt sie her, da kennt sie sich aus und entsprechend atmosphärisch und plastisch sind ihr in ihrem Debüt die Irland-Schilderungen gelungen. Ihre Schwäche: Kriminalplots - da ist sie fremd, da stochert sie im Dunklen und entsprechend vorhersehbar, weil unoriginell, ist die Handlung. Leider verzichtet sie in ihrem aktuellen Roman Blutbeichte auf ihre Heimat Irland und verlegt den Ort des Geschehens an einen ihr fremden Ort: New York.
Zur Story: Die New Yorker Polizei findet eine grauenhaft entstellte Leiche. Schnell wird den Detectives um Joe Lucchesi klar, dass dies kein Einzelmord war. So finden sich in der Vergangenheit Morde, die nach identischem Muster abgelaufen sind: Der Mörder zwingt seine Opfer, eine ihr nahe stehende Person anzurufen und ihr die größte Lebenslüge zu gestehen. Danach richtet er seine Opfer regelrecht hin und entstellt sie bis zur Unkenntlichkeit. Bald melden sich zwei Personen, die dem Mörder angeblich entkommen konnten.
Anzeige Aus dieser Story hätte man in der Tat einen spannenden und vielleicht sogar hintergründigen Thriller weben können, doch nicht nur die Story bleibt dünn auch die Charaktere sind eher Abziehbildchen (und genau so, wie man früher die Panini-Abziehbilder mit Freunden gegen andere ausgetauscht hat, so austauschbar sind die Figurenzeichnungen auch im Roman) und nichts weiter als eine Ansammlung von Klischees, die man vielleicht noch von Miami Vice her kennt. Immerhin vermag Barclay gegen Ende des Buches eine gewisse Sogwirkung zu erreichen, die gerade zu dem Zeitpunkt einsetzt, als man das Buch schon wieder zurück ins Regal stellen möchte.
Was am Ende bleibt, ist ein Krimi, der genauso spannend ist wie ein McWhopper oder die Fertigpackung Spaghetti mit Tomatensoße; woran ja von Zeit zu Zeit nichts auszusetzen ist. Und so wie es Romane gibt, die man am besten bei einem Glas Rotwein genießt, sollte man diesen Roman nur dann lesen, wenn man parallel dazu Fast Food gereicht bekommt, im Hintergrund die Best of von Ace of Base läuft und man es sich mit seinen 80er Jahre Adiletten gemütlich gemacht hat. Und ich kann mir vorstellen, dass es dann richtig viel Spaß macht!
Alex Barclay Blutbeichte Originaltitel: The Caller
Aus dem Englischen von Karin Meddekis
Lübbe, 2007
340 Seiten, gebunden, 19,95 Euro
ISBN-10: 3785722974
ISBN-13: 978-3785722978