Sierva María de Todos los Ángeles, einzige Tochter des Marqués von Casalduero, Don Ygnacio de Alfaro y Dueñas, ist an einem Sonntag kurz vor ihrem zwölften Geburtstag mit einer Mulattenmagd unterwegs auf dem Markt, um eine Kette zu kaufen. Dort wird sie von einem Hund gebissen, der kurz später an Tollwut stirbt.
Bis dahin war das junge Mädchen innerhalb der Familie eigentlich völlig unwichtig, sowohl für ihren Vater, der sich eigentlich nur für seine Hängematte interessiert und der auch die großen Geschäfte und Besitztümer, die sein erfolgreicher Vater zu Lebzeiten erworben hatte, weitgehend aufgibt bzw. ignoriert, als auch für die Mutter, die ihre Tochter seit der Geburt hasst, sogar Angst vor ihr hat, und die unter anderem dem Kakao verfallen ist. Dementsprechend ist auch die Ehe der beiden von Vernachlässigung und Hass geprägt.
Anzeige Sierva María wird somit früh in die Hände der schwarzen Haussklaven gegeben und bleibt dort auch nach einem zwischenzeitlich gescheiterten Versuch, sie wieder aufzunehmen. Durch die Erziehung der Sklaven wird sie quasi zu einer Eingeborenen, lernt deren verschiedene Sprachen und Riten und kann sich dadurch unter anderem unsichtbar unter den Weißen bewegen. Auch Schmuck und Kleidung entsprechen der Zugehörigkeit zu den Schwarzen, wodurch sie sich auch in dieser im Grunde fremden Welt heimisch fühlt und zu ihren eigentlichen Eltern keinen Kontakt erwünscht.
Obwohl eigentlich keinerlei Symptome der Tollwut auftreten, wird Sierva María plötzlich wieder wichtig. Für die Mutter geht es lediglich um die Schande, die sie in der Öffentlichkeit der Familie bringen und damit deren Ehre beschädigen würde. Doch der Marqués widmet ihr Zeit, lernt sie kennen und findet seine Liebe zu ihr. Um ihr zu helfen, bringt er sie zu Ärzten, die verschiedene Prozeduren der damaligen Heilkünste anwenden. Letztlich überlässt er seine Tochter Gott, Sierva María kommt ins Kloster, wo man sie als von Dämonen Besessene betrachtet.
Der Bischof von Cartagena schickt seinen engsten Vertrauten und Gebildeten Pater Cayetano Delaure, um sie zu exorzieren. Doch er verfällt ihr, verliebt sich unsterblich in sie und es beginnt eine heimliche, verbotene und letztlich verhängnisvolle Leidenschaft zwischen dem 36-jährigen Pater und dem jungen Mädchen.
Intoleranz, Ignoranz, Aberglaube, Liebe und natürlich – das darf bei ihm schließlich nicht fehlen – magischer Realismus, all das sind Themen, die Gabriel García Márquez in diesem wundervollen Werk anspricht. Seine schöpferische Kraft ist in diesem Spätwerk noch längst nicht erloschen, erreicht vielmehr einen weiteren Höhepunkt. Del amor y otros demonios ist ein ganz wunderbares und großartiges Buch.
Gabriel García Márquez Von der Liebe und anderen Dämonen Originaltitel: Del amor y otros demonios
Aus dem Spanischen von Dagmar Ploetz
Fischer Taschenbuch Verlag, Februar 2004
196 Seiten, gebunden, 8,90 Euro
ISBN-10: 3596162521
ISBN-13: 978-3596162529