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Der unschickliche Antrag PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Claudine Borries, am 22-08-2007 14:00
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Der unschickliche Antrag Unter dem unschicklichen Antrag stellt man sich eine sehr persönliche zwischenmenschliche Angelegenheit vor.

Dem ist aber nicht so!
Hier geht es um den Antrag für ein Telefon.
Was sollte daran unschicklich sein?

 

 

Im Jahr 1891 stellt Filippo Genuardi, genannt Pippo, aus Sizilien den Antrag auf ein Telefon. Er ist Holzhändler, Geldausgeber und Filou der besonderen Sorte. Er hat ein Techtelmechtel mit der jungen Frau seines Schwiegervaters angefangen. Pippo will mit dem Telefon, das er so gerne besitzen möchte, zu jeder Zeit, wenn die Gelegenheit günstig ist, eine Verabredung mit der jungen Frau treffen können. Was daraus werden kann, das mag man sich kaum vorstellen!

Die Mühlen der Bürokratie mahlen langsam, ganz besonders in Italien und schon gar im Jahre 1891!

Was als harmloser Antrag seinen Anfang nimmt, weitet sich zu einer ausufernden Gaunerei aus, in die viele Personen verwickelt sind. Wer einen solchen Antrag im Jahre 1891 stellt, wird auffällig. Freunde, die sich etwas haben zu Schulden kommen lassen und andere, die sich der Bestechung verdächtig gemacht haben, sind mit von der Partie bei der Realisierung seines Plans.

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Eine höchst komplizierte Geschichte wird erzählt.

Argwohn macht sich breit und das Beichtgeheimnis des Priesters wird verletzt, indem bekannt wird, dass die Ehe von Pippo den Maßstäben religiösen Anstands nicht standhält. Klatsch und Tratsch, Bestechungen kleinerer oder größerer Güte, hier und da eine Gefälligkeit - mafiöse Strukturen finden sich überall!

Das passt in die italienische Landschaft und zur historischen Entwicklung in Italien, und da kommt die Geschichte auch her! Die Gaunereien gehören zum Lokalkolorit und haben immer auch eine humorige und schelmische Seite.

Dem Leser wird einiges zugemutet. Wechselnde Personen, komplizierte Namen und die im Bürokratieformat geschriebenen Briefe verschiedener Amtspersonen tragen zum Verständnis der Erzählung nicht unbedingt bei.

Es ist eine sehr sizilianische Geschichte, eine Satire auf  die Zustände von damals. Korruption und Amtsmissbrauch, Speichelleckerei und Verschwendung sind damals wie heute noch überall in Italien zu finden. Dass es zuletzt zu Erpressung, Mord und Totschlag reicht, das ist fast ein wenig zu viel des Guten.

Die vielen Personen verwirren und sind nicht immer ohne Personenverzeichnis zuzuordnen. Moshe Kahn, der Übersetzer, hat im Nachtrag beschrieben, wie schwierig es war, dem Text in der Übersetzung gerecht zu werden. Dialekte lassen sich nicht übersetzen, und so galt es, sich der jeweiligen Atmosphäre und Stimmung bei der Übersetzung anzunähern. Dank der guten Übersetzung gehört das Buch aber zur Gattung der besonderen italienischen Literatur, das für eine ausgewählte Leserschaft ein Kleinod bedeutet.

Andrea Camilleri ist Drehbuchautor, Essayist und Theaterregisseur. Seine erfolgreichste Romanfigur ist der sizilianische Commissario Montalbano, mit der er zu einiger Berühmtheit gelangte. A. Camilleri stammt aus Sizilien und lebt heute in Rom.

Bibliographische Angaben



Andrea Camillieri
Der unschickliche Antrag
Aus dem Italienischen von Moshe Kahn
Wagenbach, 2007
239 Seiten, broschiert, 12,00 Euro
ISBN-10: 3803125618
ISBN-13: 978-3803125613

 

 

 

 

 

 




Letztes Update: 22-08-2007 14:01

Veröffentlicht in : Buch, Belletristik
Schlüsselworte : Sizilien, Camilleri, 978-3803125613, 3803125618
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