Venedig - La Serenissima - ist sicherlich die schönste und auch die ungewöhnlichste Stadt der Welt. Schaumgeboren aus dem Wasser, in all ihrer Pracht auf Pfählen ruhend, seit Jahrhunderten immer wieder als dem Untergang geweiht beschrieben.
Dank ihrer exponierten Lage über Jahrhunderte Brückenkopf zwischen Westeuropa und Asien, bedeutsamer Umschlagsplatz für Kostbarkeiten aus dem Orient, für Gewürze und Spezereien. Die intensiven Handelsbeziehungen Venedigs haben seit Jahrhunderten ihren Niederschlag in der einheimischen Küche gefunden. Dort kommen Gerichte auf den Tisch, die im restlichen Italien ihresgleichen suchen.
Zimt und Nelken werden ebenso wie Pfeffer großzügig zum Würzen verwandt. Der Reis, der seinen Weg aus der arabischen Welt bis in die Lagunenstadt gefunden hat, ist aus der regionalen Küche nicht wegzudenken. Eine beeindruckende Vielfalt an Fischen und Meeresfrüchten bereichert das kulinarische Angebot. Nur in Venedigs Baccheri gibt es die Seespinnen auf so unvergleichliche Art. Beim traditionellen Karneval verführen die Fritelle zu süßen Genüssen und schließlich lässt die Torta pazientina aus Marzipan und Zabaglione alle Diätpläne vergessen
Anzeige Kein Zweifel, die Küche Venedigs ist so verführerisch, so üppig und prächtig wie die Stadt selbst, so vielseitig, so voller Überraschungen wie man sich das von der Serenissima nicht anders erwartet. Allein die Namen öffnen neue unbekannte Welten, ob Verze sofegae - Wirsing im Schmortopf - für die eher herbstlichen Tage oder Fasioi in salsa - Sardellen in Knoblauch Dressing, ob die Radici di campo fumegà - wilde Radieschen mit Speck und Zwiebeln aus den Gemüsevarianten des Sommers oder die Caparossoli in cassopipa - ein Gericht mit frischen Muschelsorten, die in Venedig direkt aus der Lagune kommen.
Das Venedig-Kochbuch von Rosalba Gioffrè enthält eine gute Auswahl an ausgefallenen und leicht nachzukochenden Mahlzeiten aus Venedig und dem Veneto. Es beginnt mit Beispielen für variantenreiche Antipasti, gefolgt von den Primi piatti, zu denen sowohl diverse Risotto-Rezepte gehören wie auch Vollkorn-Pasta mit kräftigen Fleischsaucen. Bei den Hauptspeisen wetteifern Lebergerichte mit Perlhühnern oder gefüllter Ente, natürlich darf auch der berühmte Stockfisch in unterschiedlichen Arten der Zubereitung nicht fehlen.
Zwischen den verständlich beschriebenen Rezepten, finden sich knappe Kapitel über die Weine aus der Region, über die Besonderheiten der jüdischen Küche und die Auswahl der Gewürze. Die Fotos zu den Rezepten sind allerdings auf merkwürdige Weise missraten und tragen nicht dazu bei, auf die Speisen Appetit zu wecken. Im Gegenteil. Die Entenbrust in süßsaurer Sauce sieht aus wie eine braune Pampe, die Bigoli in salsa schlängeln sich wie dunkelbraune Würmer auf dem Teller, die Zucca marinata erinnert eher an trockenes Brot, als an pikant eingelegte Kürbisscheiben. Den Fotos fehlt der Glanz, auch jene Raffinesse, die die Rezepte auszeichnet. So enthält das Buch sicherlich eine Fülle an guten Vorschlägen, doch der Augenschmaus, der beim Essen nicht fehlen sollte, der bleibt leider auf der Strecke.