Geboren am 28.11.1931 in Straßburg. »Meine Wurzeln sind im Elsaß, meine Baumkrone ist in Irland.« Der Sohn einer Uhrmacherfamilie lebt heute auf einer 50 Hektar großen Farm in einer zeitlosen Landschaft in Südirland. Straßburg, das Zentrum jener ›Zwischenkultur‹ aus Deutschland und Frankreich, die seiner Meinung nach allzusehr ins Französische kippt, ist Tomi Ungerers zweiter Wohnort.
Dort wurde Jean Thomas Ungerer 1931 geboren, aufgewachsen ist er in Logelbach bei Colmar. Ungerer verpatztedie Reifeprüfung – dem Abgangszeugnis mußte er entnehmen, daß er »ein verdorbener und aufsässiger Charakter« sei – und trampte dafür durch ganz Europa bis nach Lappland. Ein Jahr verbrachte er in Algerien bei den französischen Kamelreitertruppen, das heißt, wegen einer Rippenfellentzündung meistens in deren Lazaretten.
Aus der Armee entlassen, veröffentlichte er erste Zeichnungen im ›Simplizissimus‹, trat in die Ecole Municipale des Arts Décoratifs in Straßburg ein, wo er nach einigen Monaten höflichst gebeten wurde, doch wieder zu gehen. 1956 landete Ungerer mit 60 $ in der Tasche in New York, den Kopf voll Steinberg, Thurber und Addams und einem Koffer voller Zeichnungen. Er wurde über Nacht zum Star, als Karikaturist, Illustrator und Kinderbuchautor erschienen von ihm in zehn Jahren mehr als 80 Bücher, als Werbegraphiker machte er Kampagnen z. B. für Willy Brandt oder die ›New York Times‹.
Mit seiner zweiten Frau Yvonne verließ er 1971 New York Hals über Kopf. »Wir hatten das Stadtleben plötzlich satt: Auf einem Highway dahinjagend, war unserem Leben der Treibstoff ausgegangen; wir hatten uns festgefahren, und so schlugen wir zu Fuß den erstbesten Seitenweg ein und erwarteten nicht einmal das Unerwartete.« Aus Ungerer, dem Star, wurde in Nova Scotia in Kanada ein Farmer, der Schafe, Schweine und Ziegen züchtete, sein Werk wurde zum »Pendel zwischen der heilen und der geilen Welt«, vom Großen Liederbuch bis zu Babylon.