Sie lebt auf dem gleichen Flur wie Gerard, jeder in seiner eigenen Wohnung. Benna ist in einem Wohnwagen im Hinterland New Yorks groß geworden, was ihre Lebenseinstellung entscheidend geprägt hat. Und Gerard? Er spielte nach seiner Aussage den Hauptidioten im Stück seines Vaters. Und als Benna ihn bedauert sagt er nur „ ja“ und im Buch heißt es „er liebte sie sehr!“
Sie ist Sängerin in einem Nachtclub und später betreut sie eine Seniorengruppe im Tanz. Gerhard ist sehr beeindruckt von ihr und wartet auf ihr Heimkommen, indem er sich in Kleidern in seine Badewanne setzt. Er hört sie dann kommen. Sie bilden allmählich eine eheähnliche Gemeinschaft. Wie das Leben so spielt, unterliegt die Beziehung den Wechselfällen des Lebens.
Komisch und mit viel Einfallsreichtum setzt Lorrie Moore eine seltsame und in einer Mischung aus Wirklichkeit und Phantasie gemischte Beziehung in Szene. Zu den beiden Hauptprotagonisten gesellt sich noch Eleanore. Sie ist Bennas Freundin, leidet an Übergewicht und gehört einer mit öffentlichen Geldern finanzierten Gruppe von Schauspielern und Poeten an.
Anzeige Alle drei ergehen sich in recht absurden, manchmal komischen, oft genug aber auch in sehr geistreichen Unterhaltungen, in denen es um das richtige Leben geht. In einem steten Hin und Her entwickelt sich eine besondere Art von Nähe und Distanz zwischen Benna und Gerard.
Gerard ist Musiker und betreibt mit Kindern ein Art Bewegungsunterricht. Dort erlebt er Augenblicke höchsten Glücks, weil er glaubt, nur mit Kindern könne man noch wirkliche Nähe spüren. Ein sehr anrührender Gedanke in diesem Stück, das vom Leben handelt und von Menschen, die auf der Suche sind und die Jahre schwinden sehen, in denen sie noch erwachsen werden möchten.
In den folgenden Geschichten erscheinen alle drei Protagonisten in wechselnden Rollen: Benna als Dozentin an der Universität in Kalifornien und Gerard als Assistent. Benna sieht sich als Mutter, dann als Witwe und immer wieder ist sie ein sehr eigenwilliger und sonderlicher Charakter. Sie begibt sich ständig auf Männersuche, lebt ihr Leben mit Freunden und Freundinnen, ist ein wenig eingeigelt in sich selbst und wird von Sehnsucht nach der einen und wahren Liebe beflügelt.
Als ewige Konstante begleitet Gerard als guter Freund ihr Leben.
Lorrie Moore ist berühmt für ihre skurrilen, dunklen Geschichten, in denen sich das Leben ihrer Figuren auf vielfältige Weise artikuliert. In den Geschichten wechseln die Perspektiven, so dass man nicht immer weiß, in welcher Geschichte man sich gerade befindet.
Die Erzählung wird von drolligen Einfällen und phantasievollen Tageserlebnissen bestimmt. Eine unübertroffene Vielfalt an gedanklichen Ideen macht die Unterhaltungen witzig, komisch und zugleich anrührend. Traurige Gedanken wechseln mit lakonischen Betrachtungen.
Der Leser wird zum Teilhaber daran, wie Menschen durchs Leben treiben und sich verwirrt an keinem Ort richtig heimisch fühlen. Ein gelegentlich zorniges, aufrüttelndes, amüsantes und literarisch besonderes Werk mit philosophischem Einschlag bietet Lorrie Moore mit dieser Erzählung für die Liebhaber des skurrilen Humors.
Nick Hornby hat Lorrie Moore zu seinem Vorbild erklärt, und L.M. wird in der Nachfolge von Raymond Carver, dem wunderbaren Schreiber amerikanischer Kurzgeschichten, gesehen.
Lorrie Moore Die Verrückungen der Benna Carpenter Originaltitel: Self-help
Aus dem Englischen von Catherine Badger
Bvt Berliner Taschenbuch Verlag, 2007
281 Seiten, broschiert, 9,90 Euro
ISBN-10: 3833304774
ISBN-13: 978-3833304774