Ein Mörder treibt in Amerika sein Unwesen. An allen möglichen Plätzen und Städten taucht er auf, mordet und verschwindet wieder.
Seine Opfer haben immer mit Medizintechnik zu tun, entweder als Arzt, Laborant oder Krankenschwester. Davis Moore, der in einem Institut für künstliche Befruchtung arbeitet, tritt als erstes Opfer in Erscheinung. Der Mord an ihm misslingt, und als nächste wird seine überaus geliebte Tochter Anna Kat im Alter von nur 17 Jahren ermordet. Er und seine psychisch angeschlagene Frau sind untröstlich.
Gefunden wird der Mörder nicht, und jeder kann das nächste Opfer sein.
In seiner Wut und seinem Zorn entwickelt Davis den perfiden Plan, den Mörder zu klonen, um an sein Abbild heranzukommen. Durch Zufall ist er an das Erbmaterial des Mörders gelangt, und nun setzt er zielstrebig seinen Plan in die Tat um.
Parallel dazu sehen wir den Mörder sein Unwesen treiben. Er gehört einer sektiererischen Gruppe an, die sich Hände Gottes nennt. Fanatisch bekämpfen die Mitglieder der Gruppe alle, die Gott ins Handwerk pfuschen wollen. Und dann gibt es da noch das Ehepaar Terry und Martha Finn. Sie wollten ein Kind und sie bekommen nach der Behandlung durch Davis Moore den kleinen Justin.
Anzeige Diese Personen geben den Plot zu einem Thriller von ungeheurer Spannung. Die Geschichte ist klug konstruiert und aufgebaut. Spuren werden gelegt und wieder verworfen. Unnötige Morde passieren, weil es zu Missverständnissen bei den allseits betriebenen Nachforschungen kommt.
Natürlich ereignen sich Familientragödien und Ehescheidungen. Als man sich der Lösung schon nahe glaubt, beginnt schon wieder eine neue Spur. So treibt es den Leser von einem Gag zum nächsten, und die Lösung ist immer schon nah und zugleich ferne. Nach vielen umsichtig verfolgten Spuren ist die Lösung zuletzt eine ganz und gar unerwartete.
Was wie Science-Fiction anmutet, basiert auf dem, was heute schon medizinisch machbar ist, und was menschenmöglich erscheint. Ungewollt kinderlose Paare können sich künstlich befruchten lassen. Sektierer werden zu fanatischen Verfolgern von dem, was sie als recht oder böse ansehen. Menschen haben versehentlich eine falsche DNA mitbekommen; in Computerspielen lassen sich alle Arten von Kriminalverbrechen durchspielen. Realität und Fantasie vermengt sich, bis die Realität das Computerspiel am Ende noch übertrifft.
Geschickt hat der Autor einen Roman erfunden, der sich am Möglichen entlang bewegt. Ärzte werden zu Monstern, wenn sie ihre eigenen Interessen bei der Forschung und beim Experimentieren verfolgen und weder Moral noch Kontrolle ihr Handeln unterbindet. Kinder können überbegabt mit ihre sechsten Sinn die Erwachsenen noch übertrumpfen, und Spuren lassen sich auf vielfältige Arten verwischen.
Dieser Krimi ist rasant geschrieben und ist von hohem Format, klug, lesenswert und durchaus im Bereich des Vorstellbaren!
Kevin Guilefoile Das Gesicht des Mörders Originaltitel: Cast of Shadows Aus dem Englischen von Werner Löcher-Lawrence Bloomsbury Berlin, 2006 433 Seiten, gebunden, 19,90 Euro ISBN-10: 3827006139 ISBN-13: 978-3827006134