Eine viele Jahre zurückliegende Geiselnahme spaltet immer noch die Gemüter einer Familie. Während der Vater den Täter zur Rechenschaft gezogen sehen will, scheint die Erinnerung in der Tochter eher romantische Gefühle zu wecken. Im Spannungsfeld dieser Emotionen steht Helm Tempow, der Mann, der nach Jahren den Entführer finden soll.
Rena Carsten, Tochter aus gutem hanseatischem Haus, wurde vor Jahren entführt und eigentlich ging auch alles gut aus – wenn man davon absieht, dass Täter und Geld nie wieder auftauchten und etwas ganz anderes zurückblieb: eine schwangere Geisel. Als der Vater endlich den deutschen Abenteurer Helm Tempow anheuert, um die Spur des Täters in Südafrika aufzunehmen, muss der feststellen, dass die Motive von Vater und Tochter unterschiedlicher nicht sein könnten. Aber erst muss er den richtigen Mann finden, und das ist schwieriger als gedacht.
Die Spur führt schließlich zu Marius Bertrand, einem Kraftmenschen, der Rena augenblicklich wieder in seinen erotischen Bann zieht. Als sie mit der dunklen, in der Apartheid verwurzelten Vergangenheit konfrontiert wird, muss Rena sich zum ersten Mal mit etwas auseinandersetzen, das wichtiger ist als das Schicksal einer verwöhnten Tochter aus gutem Haus. Und auch Helm ist widerwillig gezwungen, Stellung zu beziehen in einem Konflikt, der absolut nicht der seine ist.
Anzeige Blettenbergs Helden lassen sich eigentlich alle mit einem Wort beschreiben: entwurzelt. Ob es sich um den Halbasiaten Farang handelt oder eben um Helm Tempow, den Protagonisten von Land der guten Hoffnung, sie alle müssen vor exotischer Kulisse ihre Identität als Deutsche mit der Politik und Geschichte des jeweiligen Landes aussöhnen oder doch in einer tragbaren Balance halten. Dabei ist mit Exotik nicht die Traumlandschaft vor Palmen gemeint sondern das Fremde, Andersartige, Bedrohliche, wie es sich in der korrupten Politik Südamerikas, Südafrikas oder der abweisenden Kultur des Fernen Osten präsentiert.
Land der guten Hoffnung ist trotz seiner vergleichsweisen Kürze einer der ausführlicheren Romane des Autors, der die lakonische Knappheit zu seinem Markenzeichen gemacht hat. Hier stehen die privaten Verwicklungen zwischen Marius und Rena fast gleichwertig neben dem schmerzhaften Aufarbeiten der blutigen Gesichte Südafrikas. Der Verbrecher und Kraftmensch Marius wird dabei beinahe zum Symbol für die weißen Unterdrücker, beinahe, aber eben doch nicht ganz. Er behält immer noch genug Eigenständigkeit als Charakter, um den Leser – wie auch den beobachtenden Helden Helm – gleichermaßen abzustoßen und doch auch zu faszinieren.
Ergänzt wird das tragische Dreieck durch Rena, die – auch das typisch für Blettenbergs Frauencharaktere – ebenso schön wie gefährlich ist, gefährlich hier wegen ihrer ausgeprägten selbstzerstörerischen Neigung, die alles mit sich reißt, was in ihren Bannkreis gerät. Blettenberg beschreibt seine Figuren ohne Kitsch oder übertriebene Emotionalität, aber hinter der Fassade distanzierter Erzählweise lauert auch ein Drama, das in seiner Wucht erschreckt und beeindruckt.
Fazit: Distanziert erzählt – wuchtig in der Wirkung