Rosine ist eine Fee in Ausbildung. Leider hat sie beim Zaubern so ihre Schwierigkeiten. Seit es sie durch einen dummen Fehler einmal in die Menschenwelt verschlagen hat, geht sie viel lieber dort in die Schule. Immer wieder stiehlt sich die kleine Fee deshalb heimlich zu ihrer Freundin "Krümel", die eigentlich Marianne heißt und zwölf Jahr alt ist. Doch endet das meist in einigen Katastrophen - und die erwachsenen Feen reagieren alles andere als begeistert auf Rosines Eskapaden.
Nun will die kleine Fee gar für einige Zeit in die Rolle von Krümels Schulfreundin Marlene schlüpfen, damit diese ihre Mutter in Amerika besuchen kann. Keine Frage, dass das in einem gehörigen Tohuwabohu enden muss. Doch es kommt noch schlimmer: Der freche Junge Hajo nimmt Rosines Zauberstab an sich. Wie soll Rosine nun wieder in die Feenwelt zurückkehren?
"Krümel und Rosine im Tohuwabohu" ist bereits das dritte Feen-Abenteuer aus der Feder von Irmgard Lindner. Die Autorin, die in München als Deutsch-Lehrerin arbeitet, hat dabei mit der "Fee in Ausbildung" eine liebenswerte Kinderbuch-Gestalt geschaffen, die auf Anhieb ihre Leser verzaubert. Ihre Figuren und Geschichten überzeugen, ihre Dialoge sind prägnant. Klischees werden auf den Kopf gestellt, wenn Krümels Opa oft leichtsinniger und schlitzohriger ist als seine etwas zu pflichtbewusste Enkelin. Vom Opa abgesehen nehmen die Erwachsenen jedoch eher Nebenrollen in dem aus Kinderperspektive geschriebenen Buch ein. Ganz unaufdringlich werden auch die Probleme des Scheidungskindes Krümel mit der neuen Partnerin seines Vaters angesprochen oder blitzt die Verletzlichkeit des coolen Hajo auf, der zwar im Luxus lebt, sich aber alleine fühlt.
Die frech-vorwitzigen Illustrationen von Dagmar Geisler treffen den Nerv der Geschichte, die im dritten Band erstmals auch ins Feenreich führt. Dieses stattet Irmgard Lindner ganz nach gängigen kindlichen Phantasien aus: sattgrüne Hügel, türkisfarbene Flüsse, königsblaue Seen und Blumenmeere. Die schmucken Häuser mit Erkern, Türmchen, Dachterrassen, die Feen in langen farbintensiven Gewändern und mit fragilen Zauberstäben. Doch halt: So ganz heil ist diese adrette Märchenwelt keineswegs. Denn nicht nur gibt es auch autoritäre Feen wie die etwas hysterische Zeremonienmeisterin Fragale, die es auf Rosine abgesehen hat und die Feenwelt auch auf High-Tech einstellen will. Die Feen benehmen sich auch nicht immer gerade vorbildlich. Beispielsweise gegenüber den Wetterhexen, die sie am liebsten aus ihrer Welt ohrfeigen. Und hier sind nun Rosine und Krümel gefragt.
Am Ende löst sich das Tohuwabohu natürlich wieder in Wohlgefallen auf, und Rosine, die eine wichtige Prüfung vermasselt hat, erhält sogar eine neue Chance, ihre Ausbildung im Feenreich erfolgreich abzuschließen. Doch bleiben genügend Handlungsstränge, die weitergeführt werden können: Der neue Bund mit den Wetterhexen oder auch die Ablösung Fragales aus ihrem Amt sowie die Niederlage Hajos. Man darf also gespannt sein, wie die Geschichte weitergeht. Denn dass weitere Abenteuer auf Krümel und Rosine warten, dürfte keine Frage sein.