Drei Irre unterm Dach: das sind Großvater, Großmutter und die Enkelin.
Der Großvater ist ein Unikum: laut, tyrannisch, spritzig und überkandidelt. Die Enkelin liebt ihn, fürchtet ihn und beschreibt ihn mit viel Sinn für Spaß und Komik.
Jenni sieht ihren Großvater, der ihr zugleich Vaterersatz ist, mit Achtung, Begeisterung, ein wenig irritiert und von Stolz erfüllt. Er, ein ehemaliger KZ Insasse, ist überzeugter Kommunist. Für seine Überzeugung ist er ins KZ gegangen und von seiner Überzeugung wird ihn niemand abbringen.
Den Kommunismus aber, der ihm vorschwebt, den gibt es nicht!
Sie leben in der DDR in einem amerikanischen Flachdachhaus, das der Großvater in sechs langen Jahren erbaut hat. Seine Tochter Babette, Jennis Mutter, ist auch noch dabei; ihre Männer allerdings haben es in dem Haus mit den Verrückten nicht ausgehalten.
Anzeige Der Großvater geistert durch seine Welt, halb Querulant, halb Spaßmacher, mit Sicherheit aber erfüllt von skurrilen Ideen. Er kann sie nur in den wenigsten Fällen zur Geltung bringen. Mit seinen Drehbüchern und Theaterideen kann er niemandem imponieren. Seine einzige Zuhörerin und gläubige Anhängerin ist seine junge Enkelin, die in naivem Kinderglauben von seiner Unübertroffenheit überzeugt ist. Für sie spielt er Kasperltheater und baut Phantasiestädte. Mit ihr geht er einmal jährlich anlässlich des KZ-Gedenktags zum ehemaligen Lager. Erzählen will er nichts über die Zeit, da stellt er sich taub und unwissend.
Die Enkelin geht seiner Geschichte nach, als er schon längst tot und begraben ist.
In heiterem und unbeschwertem Plauderton beschreibt Bastienne Voss eine Kindheit in der DDR. Ihre Eltern waren Balletttänzer und viel unterwegs, so dass sie bei ihren Großeltern aufwuchs, deren Schrullen sie mit unverhohlenem Amüsement beobachtet. Hinter der schnodderigen Redeweise der beiden Alten spürt man die Gutmütigkeit, mit der sie ihrer Enkelin und auch einander zugetan sind. Der Charme trauter Familienfeste wird ebenso beschworen wie die Streitereien zwischen den Verwandten, wenn sich die Westverwandtschaft einmal einfand und man sich gegenseitige die Vorzüge der jeweiligen politischen Systeme um die Ohren schlug.
Insgesamt muß der Großvater ein rechtes Ekel gewesen sein: zänkisch, eigensinnig, geizig, unverträglich und noch vieles mehr. Der Enkelin dämmert eines Tages, dass sie die einzige ist, die er vergöttert und verehrt und für die er alles tut, um sie zu schützen, auch vor dem ehrgeizige Vater, der die Tochter zur Pianistin ausbilden lassen will.
Bastiennes urkomische, trockene Beobachtungsgabe und ihre kindlich-naive und lakonische Erzählweise lassen den Leser an einer gelungenen Kindheit in der sonst so gescholtenen DDR teilhaben.
Je älter Jenni wird, desto mehr holt auch sie der DDR-Alltag ein und dann ist am Ende nicht mehr alles ganz so lustig.