Im erzkatholischen Fürsterzbistum Salzburg des Jahres 1731 ist es nicht leicht, Protestant zu sein. Die Hingabe an den verbotenen Glauben, geheime Treffen zur Andacht und der riskante Besitz verbotener Flugschriften aus Deutschland macht auch das Leben der evangelischen Bergbauern Rupert und Agnes Wildleitner zu einem ständigen Versteckspiel voller Angst und Sorge. Als dann noch Fürsterzbischof Firmian den Bischofsthron besteigt, der „lieber über ein Land voll Dornen und Disteln herrschen will als die Irrgläubigen darin wohnen zu lassen“ erreicht der Schrecken der katholischen `Missionarsarbeit` eine neue Dimension: Intrigen, Gewalt und aufkeimendes Spitzelwesen greifen um sich und stellen Glauben und Zuversicht der Protestanten auf eine harte Probe.
Zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel.
Büchners Roman schwankt zwischen dokumentarisch-geschichtlichem Abriss und literarischer Erzählung. Bei aller gelungenen Recherche und (durchaus löblicher) Faktentreue steht einer primär sachlich-historisch orientierten Lektüre die offen wertende Charakterisierung der jeweiligen Glaubensanhänger im Wege, die einer objektiven Faktenschilderung nicht zupass kommt: Den Katholiken, die primär „kalte“, „harte“ und „zynische“ Charakterzüge aufweisen, stehen die Protestanten als die Frommen, Tapferen und ewig Erduldenden gegenüber.
Anzeige Als literarisches Werk gelesen, ist eine deutliche Figurencharakterisierung natürlich nicht störend, sondern sogar absolut notwendig; diese fällt dafür jedoch wiederum zu reißbrettartig, oberflächlich und eindimensional aus, um literarisch interessante Konfliktebenen und Empathie mit den Hauptfiguren zu erzeugen.
Wenngleich die Grundhandlung durchaus interessant ist, steht der sachliche Schreibstil und dokumentarische Blickwinkel der Autorin dem Spannungsaufbau in dieser Hinsicht zuweilen im Wege: Der Hauptkonflikt des Religionsstreites spielt sich nicht auf der Figurenebene des Ehepaares ab, wo individuelle Konflikte und emotionale Betrachtungen verortet werden könnten, sondern wird auf der sachlichen Ebene der historischen Geschehnisse gehalten. Die Ereignisse sind dramatisch, der Blick bleibt jedoch außen vor, erreicht die Figuren nicht, die dadurch mehr als überindividuelle Typen denn als menschliche Individuen erscheinen und nicht zur Identifikation einladen.
Gut und sorgfältig recherchiert und mit einem aufschlussreichen Anhang mit historischen Fakten und Ergänzungen ausgestattet, hält Büchners Roman für historisch Interessierte sicher interessante Fakten bereit, kann jedoch in Summe den Anschein eines Hybridwesen nicht ablegen. Auf Kosten der Spannung scheint es bis zuletzt unentschieden, ob das Ziel der Autorin nun ein dokumentarisch- sachliches oder unterhaltend-literarisches war.