Eine Arbeitsgemeinschaft der Verlage, in der sich eine Reihe renommierter Verlage zusammengeschlossen hat, legt mit diesem broschierten Buch eine wissenschaftliche Anleitung zum Kritiken schreiben vor.
Aufgebaut und untergliedert nach Themen und Thesen kann man sich einen Leitfaden für das Schreiben von Kritiken aneignen. In einer Einführung wird begründet, warum und wie man das Schreiben von Kritiken lernen kann.
Danach beginnt das erste Kapitel damit, aufzuzeigen, was man nicht tun darf. Witzigerweise wird eine fiktive Rezension einer Internetbuchhandlung ausgewählt und nach kritischen Gesichtspunkten zerlegt.
Die Ausführungen werden fortgesetzt mit den Anfängen des Beobachtens. Es folgen Anleitungen zu Konzepten, z.B. so genannte Journale, die man anlegen soll, in denen jede kleinste Beobachtung im Kaffeehaus, auf dem Markt, auf Strassen und Plätzen aufgezeichnet werden kann. Weitere Kapitel widmen sich dem Beschreiben und Analysieren, es folgen Kontextualisieren und Symptomatisieren, verkürzen, zuspitzen und pointieren.
Anzeige Das Prinzip der so genannten Wabcam bedeutet, zugespitzte Momente aus einem Ganzen herauszulösen und zu einer kleinen Erzählung zusammenzufassen. Auch die Freudsche These der frei flottierenden Aufmerksamkeit wird angewandt, um Impressionen von Gelesenem wiederzugeben. Ferner wird empfohlen, den Kulturbetrieb als Ganzes im Blick zu behalten und politische Entwicklungen nicht außer Acht zu lassen.
Theoretische Überlegungen von namhaften Soziologen und Texte bekannter Kritiker und Schriftsteller bieten eine umfangreiches Angebot an Möglichkeiten, um Texte kritisch zu analysieren und sich mit der Vorgehensweise beim Schreiben von Kritiken vertraut zu machen. Zu jedem Kapitel werden Übungen angeboten.
Das Buch ist streng wissenschaftlich aufgebaut. Die Anforderungen für die Übungen sind hoch und die theoretischen Darlegungen anspruchsvoll.
Mit unterhaltsamen und aufmunternden Zwischentexten gewinnt das Buch jedoch eine Leichtigkeit, die dazu animiert, es immer wieder zur Hand zu nehmen.
Nicht alle Laienrezensenten wollen nun Feuilletonchefs werden!
Daher ist das Buch bestens geeignet, sich einzelne Kapitel, die besonders interessant erscheinen, herauszusuchen und nachzuschlagen, sich vielleicht die eine oder andere Übung vorzunehmen, um damit das Einüben von "Kritiken schreiben" verbessern zu lernen. Natürlich gibt es ein fundiertes Register und eine kommentierte Bibliographie im Anhang.
Stephan Porombka ist Juniorprofessor für Kreatives Schreiben und Kulturjournalist an der Universität Hildesheim.