Auf den ersten Blick haben Irene Todtenhaupt und Marie-Louise Fleischmann nicht viel gemeinsam, auf den zweiten um so mehr – einen Ehemann. Nach seinem Tod entspinnt zwischen den beiden „nachgelassenen“ Ehefrauen ein reger Briefwechsel, der sich nur zu Anfang um den verblichenen Gatten dreht.
Nach anfänglichen Missverständnissen fällt es den Damen Fleischmann und Todtenhaupt gar nicht so schwer, sich a) mit dem Tod ihres Gatten abzufinden und b) die Tatsache zu akzeptieren, dass es sich um ein und denselben Gatten handelt. Otto bzw. Werner war, da sind die beiden sich einig, sowieso nur ein Trostpreis in der Ehelotterie. Gut an ihm war eigentlich nur sein Geld, das ihnen jetzt ein komfortables Auskommen beschert.
In schönster Eintracht beginnen Marie-Louise und Irene nun einen Briefwechsel, der nur so strotzt vor genüsslichem Klatsch und Tratsch. Während die eine auf dem Land wohnt und sich über die Schrullen ihrer ländlichen Mitmenschen lustig macht, beschreibt die andere, nicht weniger bissig, das städtische Pendant. Aber vor allem sind sie sich über einen Punkt einig: Dass Otto/ Werner tot ist und das gefälligst auch zu bleiben hat.
Anzeige Wer bei Briefromanen an Goethes ebenso unsterblichen wie für manche Leser schwer verdaulichen Werther denkt, der darf beruhigt sein. Unsterblich ist bei Fanny Müller und Susanne Fischer niemand und schwer verdaulich kann man die Lektüre von Stadt Land Mord auch nicht nennen. Streng genommen erfüllt der Briefwechsel der „nachgelassenen Frauen“ auch nur ganz am Rande die Anforderungen an einen Kriminalroman. Stattdessen ist es eher eine genüssliche Satire über Stadt, Land, Männer, Frauen, Fleischer und Tupperware.
Frei nach dem Motto „Der Dumme ist immer der andere“ wetzen die beiden lustigen Witwen ihre Zunge und ihre Feder an so ziemlich allem. Dass das Ergebnis vom Niveau sehr unterschiedlich ausfällt, kann dabei nicht überraschen. Nicht jeder Gag zündet und vom herzhaft schadenfroh-wissenden Lachen bis hin zu dem Gedanken, dass diese Satire auch ein bisschen Holzhammer enthält, ist alles vertreten.
Aber hier hilft die Kürze und der episodenhafte Aufbau der Briefe, der dazu einlädt, über das, was den Leser nicht anspricht, großzügig hinwegzublättern. Insgesamt kann man Stadt Land Mord nicht nur solchen Damen empfehlen, die ihre lästigen Ehemänner gerade unter die Erde wünschen sondern Lesern beiderlei Geschlechts, die Lust haben, die Schwächen ihrer Mitmenschen auf die Spitze getrieben zu sehen.
Fazit: Boshaftes für einen verregneten Sommernachmittag