„Vor jedem Drehtag bekommst du Durchfall vor Angst. Während des Schnitts leidest du an Depressionen. Vor jeder Premiere kotzt du deine Innereien aus. Bei jeder schlechten Kritik drohst du regelmäßig erst mit Mord und dann mit Selbstmord... Und jetzt stirbst du fast vor Angst, wenn dein Produzent dich anruft.“ Rainer, einst ‘hoffnungsvoller Jungregisseur’, Star in der Traumfabrik Hollywood, hält sich nun mit Kleinstrollen in zweifelhaften Fernsehserien, wie „Hitler and his dog“ über Wasser, spielt dem verwöhnten Töchterchen in den Ferien den vom Erfolg verwöhnten Hollywood-Star vor.
Hollywood, wir kommen!
Damals, vor vielen Jahren hatten er als Regisseur gemeinsam mit Johanna und Heidi als Schauspielerinnen den Sprung über den großen Teich geschafft. Hollywood, wir kommen - ihr erster Film wird der absolute Knüller, aber: das war’s dann auch. Vom Erfolg hoch katapultiert, folgt schnell der tiefe Absturz. „Er war am Ende, eine stinkende Hollywood-Leiche und jeder konnte das riechen.“ In Luxus-Villen verlebt Rainer mit Töchterchen Allegra die Ferien, dabei ist er nur als Haushüter für das Anwesen zuständig. Was aber tun, wenn der Besitzer früher als erwartet zurückkommt?
Anzeige Verstrickt mit dem Werdegang der beiden Mädels Heidi und Johanna, von denen die eine ins Okkulte abdriftet und die andere als glücklose Requisiteurin an der Oper jobbt, zaubert Doris Dörrie einen brillanten und szenisch pointierten Roman über Menschen, Karrieren und die Liebe. Aber von einem Regie-Profi ist das sicher auch nicht anders zu erwarten!
Eine Geschichte über Karrieren, Menschen und die Liebe, stellenweise vielleicht etwas ausufernd und schlichtweg zu lang, dennoch: ein ewig populäres Thema um die Welt der Stars und Sternchen. Aber Doris Dörrie belässt es nicht bei seichter Kulissenschau, sondern entwickelt Schicksale, die tragisch sind, aber auch herzlich und überaus erfrischend komisch.
Eine runde und plastische Geschichte, auch sprachlich höchst amüsant zu lesen, die in Rückblenden den Lebensweg der einzelnen Protagonisten aufblättert. Eine wunderbare Mischung von Story aus der Welt der Reichen und mit Implantaten Versehenen und der so ganz ehrlich und intim geschilderten Suche nach bescheidenem Glück, Anerkennung und Liebe. „Nur in der Fiktion ist man hier echt“, das ist Hollywood, wo ‘alle Sklaven sind, Sklaven der Unterhaltungsindustrie, selbst die Chefs. Der Unterschied liegt nur in der Höhe des Gehalts...’ Erkenntnisse, die die drei erst spät machen. Liebenswert an Doris Dörrie wie eh und je: ihr Blick für Menschen und Schwächen, für Komik und Tragik, für Fehler, die man doch irgendwie immer wieder verzeihen kann.