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Chez Max PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von Soraya Levin, am 25-07-2007 09:00
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Chez Max Wir schreiben das Jahr 2064. Die neue globale Gesellschaftsordnung, die sich nach 2001 herausgebildet hat, lässt die USA in die Bedeutungslosigkeit fallen und schirmt Europa durch einen Zaun vom Rest der Welt ab. In allen europäischen Hauptstädten sind Ashcroftüberwachungszentralen eingerichtet, deren primäre Aufgabe die Verbrechensbekämpfung und die Abwehr terroristisch-islamischer Übergriffe ist.

Der Spitzel Max Schwarzwald, offiziell getarnt als der Restaurantbesitzer des Chez Max, teilt sich mit seinem Kollegen Chen die Überwachung des 11. Pariser Stadtbezirks. Sie machen die Feinde des Systems, zu denen neben Drogenhändlern und Terroristen auch Raucher gehören, dingfest.

Chen, dem alles zu gelingen scheint

In ihrem Team glänzt aber nur Chen mit Erfolgszahlen. Chen, dem alles zu gelingen scheint. Chen, der ungerührt und überlegen sein Gegenüber entblößt. Chen, dessen zynische und eckige Art bei Max nicht nur Unbehagen und Ängste sondern Minderwertigkeitsgefühle und Frustration hervorruft. Max' Hass auf Chen wird immer größer. Max, der es nicht gescheut hat, einen Freund zu verraten, plant nun den Verrat an seinem Partner. Heimtückisch beginnt er Chen auszuspionieren und ihn eines Verbrechens zu bezichtigen. Chen verschwindet plötzlich unter ungeklärten Umständen.

Mit einem anderen – nun schwachen – Partner an der Seite, beginnt für Max Schwarzwald ein neues befreites Leben. Jakob Arjounis Chez Max stellt eine in der Art von George Orwells Big Brother is watching you beherrschte Zukunft im Jahr 2064 dar. Der Gang der Ereignisse, wie der 11. September 2001, hat zu einer neuen Weltordnung geführt.

USA versus Europa

In Arjounis Zukunft sind die Supermächte ausgetauscht. USA versus Europa. Mit dem USA Patriot Act, eingeführt unter dem ehemaligen amerikanischen Justizminister John Ashcroft, beginnt die Einschränkung der amerikanischen Bürgerrechte. Arjounis Überwachungszentrale, die er nach Ashcroft benannt hat, gleicht aber eher dem Stasiapparat. Bürgerrechte sind in Europa schon weit vor Ashcroft eingeschränkt worden. Und der Patriot Act ist die Antwort Amerikas auf den 11. September 2001 und nicht die Antwort Europas.

Arjouni stellt seinen "Helden" Max Schwarzwald als schwachen Außenseiter dar, der sich einzig durch den Verrat an Freunden und Partnern bewährt. Arjounis Schwarz-Weiß-Bild von dem starken arroganten, teilweise sogar gegen das System handelnden Chen auf der einen Seite und dem frustrierten ewigen Zweiten Max Schwarzwald zeigt, dass unter der Oberfläche des Überwachungssystem noch ein weiteres System brodelt. Das des Neides, des Minderwertigkeitsgefühls und des Hasses, das letztlich jedes Gefühl von Mitleid erstickt.

Arjounis schlicht gehaltener Erzählstimme, die in die Person des Ich-Erzählers Max Schwarzwald schlüpft, gelingt es nicht, die Leidenschaften seiner Figuren auszudrücken. Chez Max enthält eine zusammen gewürfelte Fülle an Fakten wie "neue Weltwirtschaftsordnung", "Drogen", "Illegale", "Gesetzesverschärfung", "Einschränkung von Bürgerrechten" und "Überwachungsstaat".

Wenig deutlich ist die Aussage des kalten zynischen Endes

Was fehlt, ist aber ein fesselnden Handlungsstrang. Die Handlung wirkt eher wie eine weitschweifig belanglos verdeckte Kritik an dem heutigen Ordnungs- und Wertesystem. Der tiefe Ernst und die Gefahr ehrgeizig besessener fehlgeleiteter Menschen ist ein zweiter Handlungsstrang, der jedoch zu wenig deutlich wird. Ebenso wenig deutlich ist die Aussage des kalten zynischen Endes.

Bibliographische Angaben



Jakob Arjouni
Chez Max
Gelesen von Jakob Arjouni
Diogenes Hörbuch, Zürich 2006
4 CD, 272 Minuten, ungekürzte Lesung, 24,90 Euro
ISBN 10: 3257800606
ISBN 13: 978-3257800609

 

 

 

 

 

 





Letztes Update: 25-07-2007 15:55

Veröffentlicht in : Hörbuch, SciFi & Fantasy
Schlüsselworte : Arjouni, 978-3257800609, 3257800606, Ashcroft, Satire
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