Das Böse bedroht die Welt von allen Seiten, und nur wenige Völker stellen sich dem übermächtigen Morgoth und seinen Kreaturen entgegen. Nach der Gefangennahme seines Vaters Hurin liegt es nun an seinem Sohn, das Werk der Befreiung fortzusetzen. Doch sein Schicksal hat einen düsteren Weg für ihr vorgesehen.
Lange vor den Zeiten von Frodo und der Gemeinschaft des Ringes bedroht der Mensch gewordene Gott Morgoth zusammen mit einem grausamen Drachen Mittelerde. Selbst der mächtige Hurin von Dor-lomin, der Hoffnungsträger von Menschen und Elben, kann gegen die Macht des Bösen nichts ausrichten und wird schließlich gefangen und zu einer Ewigkeit in Knechtschaft verurteilt.
Die Rettung der Menschheit liegt nun an seinem Sohn Turin, doch das ungestüme Wesen, das durch den frühen Tod seiner jüngeren Schwester, noch verstärkt wird, stellt sich ihm immer wieder in den Weg. Als er aus dem Reich der Elben verstoßen wird, in dem er Zuflucht vor Morgoths Scharen gefunden hat, wendet er sich zunächst einem Leben als Gesetzloser zu, doch seiner Bestimmung kann er schließlich nicht entgehen, im Guten wie im Bösen.
Anzeige Die vorliegende Ausgabe ist eine posthume Zusammenführung der bruchstückhaften Geschichte um den Helden Hurin und seine Kinder und damit eine späte Erfüllung eines Herzenswunsches des Autors, der nun von seinem Sohn erfüllt wurde. Mit seinen rund 250 Seiten sind Die Kinder Hurins noch weit entfernt von dem epischen Meisterwerk des Herrn der Ringe, doch die besondere Handschrift des Autors und Wissenschaftlers ist bereits hier deutlich erkennbar.
Das erste, was auffällt, ist die Sprödigkeit der Sprache. Statt an gängigen Romanen orientiert sich Tolkien an dem Klang und Rhythmus germanischer Heldensagen. Im Mittelpunkt dieser Erzählung steht der Held, der schuldlos schuldig wird und den das Schicksal und seine eigene schwierige Veranlagung immer wieder von dem ihm vorgezeichneten Pfad als Retter der Menschheit zurückwerfen, bis schließlich die unbeabsichtigte Blutschande, ein Topos, der bis zur Wälsungensage zurückreicht, seinem Leben ein Ende setzt.
Dass sich trotz der zurückhaltenden Sprache nach und nach ein wirklich bewegendes Epos entwickelt, ist ein Verdienst des Autors, der hier im Kleinen zeigt, was er später in seinem Herrn der Ringe zur Meisterschaft bringen sollte – die Verknüpfung aus alten Sagenstoffen und publikumswirksamer Spannung, aus der versponnenen Liebhaberei eines Sprachwissenschaftlers und dem Geschick des Autors, der ein Millionenpublikum erreicht. Letzteres mag für Die Kinder Hurins noch nicht gelten, denn viele werden die Darstellung der Geschichte als allzu sperrig empfinden, doch Tolkien-Fans und die Liebhaber wuchtig-tragischer Sagen kommen voll auf ihre Kosten.
Fazit: Ein frühes Meisterwerk des Vaters der Fantasy in ansprechender Geschenkausgabe
J.R.R. Tolkien Die Kinder Hurins Originaltitel: The Children of Húrin
Aus dem Englischen von Hans J. Schütz und Helmut W. Pesch
Klett-Cotta, 2007
333 Seiten, gebunden, 19,90 Euro
ISBN-10: 3608936033
ISBN-13: 978-3608936032