Sie ist Journalistin und sie ist hart, einige ihrer Kollegen sagen, zu hart. Seit Jahren bereits die die junge Australierin Stella Krisengebiete, ohne einen Gedanken an ihre Heimat in Tasmanien zu verschwenden. Doch die Nachricht, dass ihr Vater auf See verschollen ist, zwingt sie, zurückzukehren und sich der Vergangenheit zu stellen.
Für jeden ist klar, dass Stella, süße 16 und Liebling ihres strengen Vaters, ihren Freund Jamie heiraten und Medizin studieren wird. Doch der Zufall ändert alles. Stella lernt Zeph, einen nur wenig älteren Globetrotter kennen, den ein gebrochenes Ruder in eine der versteckten Buchten Tasmaniens gespült hat, und verliebt sich Hals über Kopf in ihn. Nach einer zärtlichen Liebesnacht verlässt Zeph Stella mit dem Versprechen zurückzukehren. Doch Zeph kommt nicht, und Stella ist schwanger.
Die „Schande“ stürzt Stellas Familie in eine tiefe Krise. In der perfekten Fassade tun sich Risse auf, die bislang nur unter der Oberfläche gelauert haben, bis Stella schließlich das tyrannische Verhalten ihres Vaters und die Hilflosigkeit ihrer Mutter nicht mehr erträgt. In einer schicksalsträchtigen Nacht verlässt sie ihre Heimat in der Halfmoon Bay und flüchtet zu ihrem Patenonkel, den sie nur durch seine alljährlichen Weihnachtsgeschenke kennt. Als sie Jahre später gezwungen wird, zurückzukehren, muss Stella sich die Frage stellen, ob es für eine Versöhnung zu spät ist.
Anzeige Ein Junge und ein Mädchen an einem versteckten Stand – was braucht ein Roman mehr, um den Zauber schicksalhafter Liebe zu entzünden? Fügt man diesem Konzept noch schillernder Schauplätze wie Afrika und Australien hinzu, dann muss das Herz der Leserin doch höher schlagen. Dennoch werden zunächst Erwartungen geweckt, die sich beim Lesen nicht bestätigen. Denn die Stella, die dem Leser anfangs vor Augen geführt, die harte, verbitterte Journalistin, die toughe Reporterin, weicht bald ihrem jüngeren Selbst, das fünfzehn Jahre zuvor ihrer großen Liebe gegenüberstand.
Es wird allerdings rasch deutlich, dass Stellas Beruf nicht wirklich Teil der Handlung, sondern nur Krücke für ein gebrochenes Herz ist. Und so widmet sich der Roman letzten Endes nicht dem Konflikt zwischen Karriere und Familie, sondern der Rückkehr, der Aussöhnung und dem Wiederfinden des verschütteten Mädchens. Dass dies glaubwürdig und weitgehend ohne Kitsch abläuft, ist das Verdienst der Autorin, der es gelingt, die Herz-Schmerz-Geschichte sprachlich ansprechend zu vermitteln und durch lebendige Charaktere anzureichern.
Zur Hälfte des Romans kommt sogar ein Gefühl echter Dramatik auf, doch schließlich wird es von der Autorin doch in gut verdaulichen Häppchen dargereicht. Der Schluss steht dann ganz im Zeichen des Happyends, das schöner und optimistischer nicht sein könnte. Vergessen ist der Schmerz, bei Stella und den Leserinnen gleichermaßen, und gemeinsam darf man sich über den Sieg der Liebe und des Lebens freuen.
Fazit: Sprachlich niveauvoller Wohlfühlroman nicht nur für Australienfans
Katherine Scholes Die Sturmfängerin Übersetzt von Margarethe van Pee Knaur, 2006 432 Seiten, gebunden, 16,90 Euro ISBN-10: 3426662191 ISBN-13: 978-3426662199