Ein Video versetzt England in Aufregung – auf der abgelegenen Insel Pig Island ist ein menschenähnliches Wesen mit einem Schwanz gesichtet worden. Sofort gibt es Gerüchte über Teufelsanbeter, Sekten und den Satan höchstpersönlich. Endlich findet Journalist Oakes einen Fischer, der bereit ist, ihn überzusetzen, und auf Pig Island findet er die Spuren eines alten Bekannten...
Pig Island – eigentlich Cuagach Eilean – ist eine abgelegene Insel an der schottischen Küste, die seit Jahren im Besitz der Mitglieder der Gemeinde für Psychogenes Heilen ist. Nachdem sie durch ein Amateurvideo, das eine seltsame Kreatur halb Mensch halb Tier zu zeigen scheint, auf sich aufmerksam gemacht hatten, öffnen sie nun zum ersten Mal einem Journalisten ihre Pforten. Besagter Journalist ist Joe Oakes, Spezialist für die Entlarvung übernatürlichen Schwindels.
Doch bereits das erste Treffen enthüllt Oakes die beunruhigende Wahrheit: Er hat es nicht nur mit den Sektenmitgliedern zu tun sondern auch mit Malachai Dove, einem Wunderheiler, mit dem er eine alte Rechnung offen hat. Dass die Mitglieder seiner Sekte Dove entmündigen lassen wollen, kommt ihm nur gelegen. Aber Oakes will mehr. Er will auch den Schwindel um das angebliche Teufelsvideo entlarven. Ein Blutbad auf der Insel beantwortet schließlich diese und andere Fragen – nur um andere, tödlichere aufzuwerfen.
Anzeige Als erstes muss man festhalten, dass der deutsche TitelDie Sekte eine wenig gelungene Übersetzung von Pig Island ist. Obwohl in dem überaus packenden, sprachlich witzigen Auftakt von eben dieser Sekte gesprochen wird, verliert sie doch bald ihre Bedeutung für die Handlung und wird ungefähr zur Hälfte ganz einfach ausgelöscht. An ihre Stelle tritt – ungleich spannender – der bedrohliche Schatten des Malachai Dove und seiner seltsamen Tochter Angeline.
Einiges in dem Roman mag auf den ersten Blick verwirrend wirken. So wird die Vorgeschichte zwischen Malachai und Oakes in einer umfangreichen Rückblende dargestellt, und auch Oakes Frau Lexie kommt in ihren vielschichtigen Briefen an ihren Therapeuten zu Wort, die nicht nur ihre Beziehung zu ihrem Mann sondern auch ihr eigenes Selbstbild ironisch entlarven.
Leser, die bereit sind, sich auf diese schriftstellerischen Spielereien einzulassen, werden bald in den Bann eines wirklich ungewöhnlichen Romans gezogen, der sich nie ganz auf ein Genre festlegen lässt. Krimi und durchaus blutige Thrillerelemente werden mit Anleihen an den Horrorroman gemischt um schließlich in einem klassischen Film-noir-Finale ihren Höhepunkt zu finden. Leser geradliniger Kriminalromane und Thriller seien gewarnt,Die Sekte treibt ein selbstverliebtes Spiel mit den Lesererwartungen und sich selbst, wer aber den etwas ungewöhnlichen Lesespaß sucht, ist hier gut aufgehoben.
Fazit: Ungewöhnlicher Genremix jenseits der gängigen Masse