Das Comic als Groschenheft Comic-Hefte, wie wir sie heute kennen, haben ihren Ursprung in den 1930er Jahren. Bereits 1929 versuchte sich George Dellacorte als Erster an der innovativen Idee ein Medium zu schaffen, das ausschließlich Comics enthält. Zunächst wurden die Comics nur als Werbegeschenk bestimmten Produkten beigelegt. Die Serie hieß „The Funnies“ und enthielt eine Sammlung von Nachdrucken aus Sonntagszeitungen. Das Angebot beschränkte sich auf 13 Ausgaben. Andere Herausgeber folgten Anfang der 1930er Jahre Dellacortes Beispiel. Der Gedanke, für etwas Geld zu fordern, das vorher ein Gratisangebot der Zeitungen war, musste sich erst noch durchsetzen. Charles Gaines war es schließlich, der auf die Idee kam, 10-Cent-Sticker auf einen Teil der Auflage zu kleben und sie an Zeitungsstände ausliefern ließ. Die Nachfrage war groß - innerhalb weniger Tage waren alle Comics ausverkauft!
Endlich wird die Welt verbessert! Ein weiteres Magazin wird 1934 geboren: der Abenteuer-Strip „Flash Gordon“. Inspiriert durch den comic-strip Vorläufer „Buck Rogers“ entstanden, handelte es sich bei dem neuen Science-Fiktion-Helden um einen Erfolgsschlager ohnegleichen. Mit „Flash Gordon“ wurde eine athletische, blonde und gebildete Identifikationsfigur für etliche US-Amerikaner geschaffen. Nicht zuletzt wegen seiner Verkörperung damaliger US-spezifischer Tugenden, erfreute sich „Flash Gordon“ einer großen Beliebtheit. Harry Donenfeld nahm den Erfolg zum Anlass, 1937 weitere Comic- Magazine herauszubringen: „Detective Comics“ und „Action Comics“. Neue Medien für Weltverbesserer in Superheldenformat, die bis in die heutige Zeit überlebt haben, waren geschaffen. Das so genannte „golden age“ der Superhelden läutete eine neue Epoche des Comics ein. Einem Amerika, das noch mit den Folgen der großen Weltwirtschaftskrise zu kämpfen hatte, kamen die Symbolfiguren von nationaler Stärke im Kampf für Freiheit, Demokratie und Gerechtigkeit sehr gelegen.
Wer kennt ihn nicht, den gut gebauten Mann im blauen Stretchanzug, mit rotem Cape bestückt, auf seiner stolzen Brust ein riesiges S? Als Erster seiner Art eroberte 1938 ein schon vorher existierender, jedoch bis dato verkannter Held seine Leserschaft. Joe Shuster und Jerry Siegel schufen ihn bereits Anfang der 30er Jahre, nur musste er sich noch einer comicväterlichen Gehirnwäsche unterziehen lassen bis er als vermarktungsfreundliches Massenprodukt bestehen konnte. Die Umwandlung vom eingeschränkt mit Superkräften befähigten Schurken zum unverwundbaren Helden im Dienste der Menschheit glückte und wurde einer der größten Erfolge überhaupt. Darauf hatte die Welt gewartet - ein Held, der sie retten würde und noch dazu mit alltagstauglichem Identifikationsangebot im Doppelpack mit einer Heldenfigur, die eine ideale Projektionsfläche für die Wunschträume männlicher Teenager bot. Die Vermischung der Identität des durchschnittlichen jungen Mannes Clark mit der des sich im Dauereinsatzes für Gerechtigkeit befindenden Supermans konnte sich als herausragende Innovation feiern lassen. Überhöhte Männlichkeit gepaart mit unscheinbarer Intelligenz sowie menschlichen Ängsten und Zweifeln in ihrer bürgerlichen Tarnexistenz. Eine Konzept-Vorlage, die im Laufe der Zeit mehrfach kopiert werden sollte.
Insbesondere Superman steht für den oft verkannten Zusammenhang zwischen Comic und gesellschaftlichen und politischen Ereignissen. In den letzten Jahren des Zweiten Weltkrieges zog er beispielsweise gemeinsam mit anderen Heldenfiguren wie dem patriotischen Captain America in den Kampf gegen die Nazis. In Deutschland hatte Superman weniger Erfolge zu verbuchen. Marcel Feige begründet dieses Phänomen für die 50er Jahre wie folgt: „ In Deutschland, das gerade erst seinen Führer zu Grabe getragen hatte, war augenscheinlich kein Platz für einen neuen Superhelden.“ Der Boom erfolgte hier erst 10 Jahre später.
Für die Schöpfer des Helden, Joe Shuster und Jerry Siegel, ging der Kampf um Gerechtigkeit leider weniger fair aus. Zu Beginn der Vermarktung Supermans verkauften sie die Rechte ihres zu dem Zeitpunkt noch skeptisch beäugten Meisterwerkes für wenige Dollar an den späteren DC-Verlag. Diese Einschätzung sollte sich bald ändern; die Comic-Figur schaffte den großen Durchbruch, nur konnten die beiden Urheber dann nur noch immateriell am zunehmenden Marktwert ihres Werkes teilhaben. DC weigerte sich, Siegel und Shuster finanziell am Erfolg ihrer Schöpfung zu beteiligen. Schließlich trennten sie sich 1940 vom Verlag. Jerry Siegel verdiente fortan seinen spärlichen Lebensunterhalt als Postangestellter und Joe Shuster lebte von staatlicher Unterstützung. Erst 40 Jahre später bekamen sie eine lebenslange Rente zugesichert. Von da an wurden sie wieder als Erfinder Supermans genannt.
Verstärkung im moralischen Feldzug Im Jahr 1939 bekommt Clark Kent alias „Superman“ einen ernst zu nehmenden Mitstreiter im Feldzug moralischer Intervention. Der junge Bruce Wayne nimmt sich in Gotham City der Verbrecherjagd an. Als Antwort auf den großen Superman kreierte Bob Kane einen Superhelden, der sich, im Gegensatz zu seinem Vorbild, nicht durch überirdische Superkräfte auszeichnet. Tatsächlich entsteht die neue Heldenfigur aus einer durchgepausten Version Supermans in Kombination mit dem Helden Bird-Man. Seine Überlegenheit basiert auf Intelligenz, Willenskraft, hartem Training und seinen technischen Hilfsmitteln. Ausgestattet mit einem Fledermauskostüm, wird aus Bruce Wayne „Batman“, wenn Not am Mann ist. In der Bat-Höhle stehen das Bat-Mobil und weitere Bat-Techniken bereit. Mit altruistischer Aufopferungsgabe kämpft er in gemeinsamer Zusammenarbeit mit Commissioner Gordon für das „Gute“. Das „Böse“, verkörpert u.a. durch den „Joker“, steht ihm stets in der schwarz-weißen Welt gegenüber. Ab 1940 wird er auf seinen Missionen von Robin unterstützt, später darf auch „Batgirl“ einige Jahre mitweltverbessern. Auch diese Figur spielt bewusst mit der doppelten Identität des Helden, um den Lesern eine Identifikationsmöglichkeit zu schaffen.
Anzeige Die vorgestellten Helden haben, wie bereits angedeutet, auch ihre Vorbilder in Zeiten des comic-strips. Um einige der bekanntesten zu nennen, hier eine kurze Zusammenfassung. Tarzan, gezeichnet von Hal Foster, wurde 1929 nach der Romanvorlage von Edgar Rice Burroughs als einer der ersten Comic - Helden mit großer Resonanz gefeiert. Noch dazu erschien der Streifen in einem ungewöhnlichen Format: Texte wurden ohne Sprechblasen abgedruckt. 1936 ist es dann so weit - Eine Innovation am Heldenhorizont tritt in Erscheinung. „Das Phantom“ von Lee Falk debütiert in der Liga maskierter Helden. Er bereitet Superman und Co mit dem Einsatz seines legendären Totenkopfstigmas den Weg in eine gerechtere Welt. Falk bezeichnet seine Figur als „eine Art Tarzan mit College- Abschluss“. Hal Foster war es, der 1937 ein weiteres Mal durchschlagenden Erfolg verbuchte, mit einem Comic-Helden besonderer Art und dies im doppelten Sinne. „Prinz Eisenherz“, bekannt als „der Typ mit dem Pottschnitt“, vollbringt etliche Heldentaten als Ritter im Jahr 425 n. Chr. Sowohl der Zeichenstil Fosters als auch seine Erzählkunst gelten als herausragende Kunstform in der Comic-Szene. Nichtsdestotrotz hat der Streifen in heutiger Zeit mit Vorurteilen zu kämpfen. Deutsche Verlage haben es dem Prinzen zunächst nicht gerade leicht gemacht sich einen Namen zu machen: Er wurde „Prinz Waldemar“ getauft.
Wie kam Micky Maus zu ihrem Namen? Und was hat Oswald mit der Maus zu tun? Wie änderte sich der Charakter der kleinen Maus und wann traf sie Donald? Ist Entenhausen eine Projektion von ideologisierten gesellschaftlichen Verhältnissen? Mehr darüber erfahren Sie nächsten Donnerstag im 3. Teil der Comic-Geschichte.