Der Sprung ins Filmgeschäft soll für die junge australische Schauspielerin Samantha den internationalen Durchbruch bedeuten, und schon beim Lesen des Drehbuchs nimmt der Stoff – die Lebensgeschichte der englischen Missionarsfrau Mamma Tack – sie vollständig gefangen. Bald ergeben sich erstaunliche Parallelen zwischen Fiktion und Wahrheit...
Die junge Australierin Samantha wollte schon immer nach England. Nach ersten Theatererfolgen hat sie genug Geld, sich ein altes Haus zu kaufen, das sie an ihre erste Produktion erinnert, und nimmt gleichzeitig die Rolle in ihrem ersten großen Hollywood-Film an. Von Anfang an stellt sie ihr großes Talent unter Beweis, auch wenn sich die Zusammenarbeit mit ihrem eitlen Partner nicht immer einfach gestaltet.
Das Thema des Films ist die Lebensgeschichte der Missionarsfrau Jane Thackery, genannt Mamma Tack, die ihrem geliebten Mann in den Südpazifik folgt. Doch die Idylle findet mit dem Ausbruch des zweiten Weltkriegs ein jähes Ende. Jane lernt den amerikanischen Piloten Charles kennen, der in ihr eine ganz neue Art der Leidenschaft weckt. Doch noch ein dritter Mann spielt eine Rolle in ihrem Leben, ein französischer Großgrundbesitzer, der es sich in den Kopf gesetzt hat, Jane zu erobern. Als ihr Mann an die Front beordert wird, spitzen sich die Ereignisse dramatisch zu.
Anzeige Wenn man weiß, dass Judy Nunn eine der bekanntesten australischen Schauspielerinnen ist, kann man schon ein wenig lächeln, denn die Parallelen zwischen Heldin und Romanfigur sind nicht von der Hand zu weisen. Doch diese Ähnlichkeiten haben den positiven Nebeneffekt, dass die Szenen, die sich um Samanthas Bühnen- und Filmkarriere drehen, überaus lebendig und authentisch wirken. Ohne viele Details, die von der Handlung ablenken, gelingt es der Autorin, die Welt des Films mit ihren Querelen und Eifersüchteleien lebendig auferstehen zu lassen.
Die Handlung am Set wird in abwechselnden Kapiteln unterlegt durch die Lebensgeschichte der „echten“ Mamma Tack, eben jener Missionarsfrau Jane Thackeray. Der Kunstgriff des Erzählens auf zwei Ebenen ermöglicht es Nunn, dem Leser immer neue Informationen zu geben, die die beiden Handlungsebenen schließlich zusammenführen.
Dass sich die Film-Szenen dennoch lebendiger lesen, liegt an der Angewohnheit der Autorin, den Subtext von Dialogen zu erklären. Statt das, was die Personen sagen, einfach wirken zu lassen, scheint Nunn zu glauben, dass Leser die Zwischentöne erklärt bekommen müssen. Dass ist umso unnötiger und störender, als diese eingefügten Erzähltexte einen eigentlich vollkommen natürlichen Fluss der Dialoge unterbrechen. Von dieser Einschränkung abgesehen ist Herzensturm eine perfekte Unterhaltungslektüre, die auch etwas anspruchsvollere Leserinnen auf ihre Kosten kommen lässt.
Judy Nunn HerzenssturmAus dem austral. Englisch von Marion Balkenhol Krüger, 2007 573 Seiten, gebunden, 16,90 Euro ISBN-10: 3810513148 ISBN-13: 978-3810513144