Dieses Buch besteht zu einem guten Drittel aus Urlaubsfotos von Dieter Nuhr. Die sind, wie Urlaubsfotos meist sind: im Vordergrund eine grinsende Person, im Hintergrund irgendetwas, was man wahrscheinlich gesehen haben muss, wenn man in der Gegend, in der das Foto aufgenommen wurde, gewesen ist. Nicht weiter spektakulär. Dafür lohnt sich aber der Text, der die restlichen zwei Drittel des Buches füllt.
In über 20 Kapiteln widmet sich Nuhr der Frage, ob es intelligentes Leben auf diesem Planeten gibt, und wenn ja, wo. Und um Fehlschlüsse so weit wie möglich auszuschließen, hat Nuhr sich auf dem gesamten Planeten umgeschaut und nach intelligentem Leben gesucht. Nur zur Sicherheit. Und natürlich, um Fotos zu machen.
„Wenn man nach intelligentem Leben sucht, sollte man vielleicht da anfangen, wo man es am wenigsten vermutet: in den USA zum Beispiel.“ Von dort schlägt Nuhr auf nur einer Seite den Bogen in den Bayerischen Wald, wo Menschen in Biergärten durch konsequenten Alkoholgenuss den Weg ins Nirwana suchen. So ungefähr jedenfalls. Von dort geht es weiter nach Russland, durch China und Japan und zurück nach Oberhausen. Das alles in einer Geschwindigkeit und mit einer Pointendichte, dass dem Leser schwindelig wird. Und selbstverständlich mit Urlaubsfotos.
Unterwegs fragt sich der Autor, was wohl Intelligenz beim Menschen ausmachen könnte. Kurz zusammengefasst: Religion (kategorisch: nein), Liebe (im Wesentlichen ein Produkt unserer Triebe, daher: nein), Sex (siehe Liebe), Ehrgeiz (führt zu Erscheinungsformen wie Josef Ackermann, also auch hier: nein), und so weiter und so weiter. Bei Nuhr sind Amerikaner prinzipiell primitiv, Religion ist so ziemlich das Gegenteil von Intelligenz, und über Adolf Hitler darf man sich lustig machen. Das mag nicht jedem gefallen – eine Aussage, die so auch auf Urlaubsfotos zutrifft.
Anzeige Das wirklich erstaunliche an diesem Buch ist: man braucht nicht einmal eine Hörbuchausgabe. Wenn man Nuhr einmal live, im Fernsehen oder auf CD gehört hat, dann liest sich das Buch vor dem inneren Ohr quasi von selbst mit Nuhrs Stimme. Über die lakonischen, schwarzhumorigen Sätze, bei denen die Pointen meist erst im letzten Nebensatz explodieren, kann man sich daher genau so amüsieren, als würde man einer Live-Aufführung von Dieter Nuhr (mit Urlaubsfotos) beiwohnen.
Natürlich lässt dieses Buch auch Fragen offen (das würde es wahrscheinlich auch dann, wenn man die Urlaubsfotos weggelassen und die freigewordenen Seiten mit Text gefüllt hätte). Zum Beispiel, ob die Welt besser oder schlechter wäre, wenn keine Menschen (gleich, ob nun intelligent oder nicht) auf ihr herumtrampeln würden. Warum es bei Rowohlt unter der Rubrik „Sachbuch“ vertrieben wird. Und auch, warum der Autor dieser Rezension ständig auf den Urlaubsfotos herumhackt. Diese offenen Fragen tun dem Lesespaß jedoch keinen Abbruch – „Gibt es intelligentes Leben?“ ist wohl eine der unterhaltsamsten Sammlung von Urlaubsfotos (mit Begleittext), die in den letzten Jahren auf den Markt gekommen ist.
Spätestens seit Dieter Nuhr 1994 mit seinem ersten Solo-Programm auf Tournee ging, wird er als erfolgreicher Grenzgänger zwischen Kabarett und Comedy gehandelt. Neben seinen Solostücken spielt er immer wieder Auftritte in Comedy- und Kabarettsendungen, er erhielt unter anderem den Deutschen Kleinkunstpreis in der Sparte Kabarett und den Deutschen Comedypreis. Sein berühmtestes Zitat ist: „Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal die Fresse halten.“