Mit falschen Versprechungen nach Deutschland gelockt, muss die schöne Moldavierin Maria in einem Frankfurter Edelbordell als Prostituierte arbeiten. Zwar gelingt ihr die Flucht, doch sie kennt weder den Ort der ihres Gefängnisses noch die wahren Namen der Betreiber des illegalen Puffs. Ein harter Fall für Julia Durant, die sich plötzlich mit den vereinten Kräften des organisierten Verbrechens konfrontiert sieht.
Maria ist eine von vielen - eine junge Frau, die unter Vorspiegelungen falscher Tatsachen nach Deutschland gelockt und dann zur Prostitution gezwungen wurde. Aufgrund ihrer Schönheit ist sie zwar zum erklärten Liebling des sadistischen Bordellchefs Mario Martini aufgestiegen, doch ihr einziger Gedanke ist Flucht. Als diese endlich gelingt, ahnt Maria nicht, dass sie eine Kette von Ereignissen in Gang setzen wird, die schließlich zum Tod einer jungen Staatsanwältin und eines engagierten Journalisten führt.
Und so werden Julia Durant, die taffe Frankfurter Kommissarin, und ihr Team in diesem neuen Fall mit dem organisierten Verbrechen konfrontiert. Während Julia einerseits versucht, die verängstige Maria zu schützen, setzt sie gleichzeitig alles daran, an die Hintermänner der Tat zu kommen. Doch wer ist der rätselhafte Mario Martini? Unter welchem Namen agiert er im bürgerlichen Leben? Erst als ein erfolgreicher Politiker und Mitglied des engsten Zirkels um Martini bereit ist, die Wahrheit zu sagen, wird es eng für den Biedermann.
In ihrem neuen Fall muss Julia Durant sich mit Kräften messen, die ihr eigentlich haushoch überlegen sind, doch das kann eine Frau wie Durant nicht abschrecken. Unerschrocken schwingt sie sich auf das weiße Ross um für Maria und ihre Schicksalsgenossinnen für Recht und Gerechtigkeit zu kämpfen. Dabei legt Autor Andreas Franz viel Wert auf Realismus. Er verweigert dem Leser das strahlende Happyend, den Sieg der Gerechtigkeit auf allen Linien - so weit so gut.
Doch wenn man den Realismus einmal genauer unter die Lupe nimmt, so kommt letzten Endes doch das gewohnte Andreas-Franz-Weltbild zum Vorschein. Wie schon in Das Verließ und Tod eines Lehrers sucht der Autor das Böse hinter der Maske des Bürgerlichen. Nach dem erfolgreichen Anwalt und dem beliebten Lehrer sind es nun die Politiker, die Staatsanwälte, die Strippenzieher, die an den Pranger gestellt werden. Und wo das Böse auf der einen Seite steht, ist auch das Gute nicht weit. Und das erscheint dem Leser doppelt schön in der Gestalt der leidenden, doch gänzlich unverdorbenen Maria.
Es ist diese Schwarz-Weiß-Zeichnung, mit der der Autor letzten Endes seine eigene Glaubwürdigkeit untergräbt. Zwar versucht er mit dem reuigen Politiker Hans so etwas wie Zwischentöne zu erzeugen, dennoch erscheint der Fall gerade wegen seiner Brisanz doch eher wie ein pseudo-realistisches Lehrstück über die Verstrickungen der Mächtigen. Leider wird der Roman seinem eigenen Anspruch, den Leser zu unterhalten und gleichzeitig ein brandheißes Thema aufzuarbeiten, nicht gerecht, denn die Klischees hinterlassen einen unbefriedigten Nachgeschmack.
Fazit: Routinierter Krimi mit aktuellem Thema und flachen Charakteren