Benjamin und Béatrice führen eine ganz normale Ehe. Glaubt Benjamin jedenfalls. Bis zu dem folgenschweren Tag, als die beiden einen Couchtisch kaufen wollen. Es ist nur eine kleine Äußerung des Verkäufers: „Genau: Von außen wirkt es massiv, aber innen ist es hohl. Nicht wahr?“ Dieser harmlose Satz lässt in Benjamin einen verwirrenden Gedanken aufkeimen. „Eine schwindelerregende Erkenntnis. Mit einem Mal ist mir alles klar, ich sehe nicht mehr verschwommen. Der Verkäufer spricht von mir. Er weiß es nicht, aber er hat mich soeben beschrieben. Es ist wie eine Offenbarung.“
Bei einer Frau wie Béatrice kann man sich leicht klein und nutzlos fühlen. Da kann es schon mal passieren, dass man in der gemeinsamen Wohnung nur als Gast geduldet wird. Während Benjamin schon immer ein eher unscheinbarer Typ ohne große berufliche Ambitionen war, ist Béatrice eine schillernde Persönlichkeit. Wunderschön, wortgewandt und sehr selbstbewusst setzt sie, die erfolgreiche Kinderbuchautorin, sich gegen den machtlosen Ja-Sager durch. So agiert Benjamin in Béatrices Drehbuch des Ehelebens nur noch als willenloser Statist, dessen größter Ehrgeiz darin liegt, seine Ehefrau nicht zu verärgern.
Anzeige Wie gut, dass da noch Marion ist, Benjamins und Béatrices kleine Tochter. Für sie ist er noch jemand von Bedeutung, für sie lohnt es sich, stark zu sein. Denn stark sein, das muss Benjamin bei dem Kampf, der sich zwischen Béatrice und ihm entspinnt. Den einen Tag schickt sie ihn noch zum Psychologen, weil sie einen glücklichen Ehemann haben will, am nächsten Tag wirft sie ihm schon vor, ein Macho zu sein, nur weil er einmal nicht nach ihrer Pfeife tanzen mag.
Der gutgemeinte Rat seines Chefs, doch einfach mal „nein“ zu sagen, löst leider nicht alle Probleme Benjamins, sondern stattdessen eine große Ehekrise aus. Als Béatrice Marion als Druckmittel einzusetzen beginnt, begreift Benjamin endlich, dass er etwas an seinem Leben ändern muss. Gut, dass er dabei Hilfe in Plutarchs Streitschriften findet.
Fazit: Ein ganz normales Paar ist ein stilles, nachdenklich stimmendes Buch voller Witz. Feinfühlig und mit viel Ironie schildert Isabelle Minière den Geschlechterkampf innerhalb einer Ehe.
Isabelle Minière Aus dem Französischen von Ina Kronenberger
Ein ganz normales Paar Diogenes, April 2007
gebunden, 203 Seiten, EUR 18,90
ISBN-10: 3257065876
ISBN-13: 978-3257065879