Wilhelm Gossec ist ein Trödelladenbetreiber. Ein Kommissar ist er jedenfalls nicht, obwohl er in dieser Geschichte geradezu kriminalistisch aktiv wird.
Vor seinem Laden liegt eines Tages ein betrunkener Staatssekretär aus dem Wirtschaftsministerium (Ähnlichkeiten mit lebenden Personen oder Situationen sind übrigens rein zufällig und keineswegs gewollt – es handelt sich also um eine ganz und gar fiktive Erzählung!) vor der Tür. Alles, was ihm blieb ist eine Einladung zur „Wies’n“ von der Immobilienfirma „Global Real Estate“ und ein Dossier.
Das steckt Gossec ein, nachdem er den Samariter gespielt hat und den alltagsuntauglichen Politiker Hirschböck mit einem Taxi nach Hause geschickt hat, ist der Fall erledigt. Bis, ja bis ein paar Tage darauf sein Freund Julius von besagter Firma „entmietet“ wird.
Anzeige Der hilfsbereite Wilhelm will seinem Freund helfen, die Zwangsräumung dessen Wohnung zu verhindern. Dabei kommt es zum etwas handgreiflichen und nasenblutenden Kontakt mit einem Handlanger einer offensichtlich viel gewichtigeren „Mauschel-Clique“. Es geht um das Schlachthofviertel, dessen Neubebauung und Verwendung geldgierigen Hintermännern das „Goldwasser“ im Munde zusammenlaufen lassen.
Der Autor erzählt hautnah und authentisch, gewährt einen Einblick in die Welt bayrischer Outlaws und Rechtsbeuger und staffiert seinen Protagonisten mit einer gehörigen Portion Selbstbewusstsein, Geradlinigkeit und einem Hauch von krimineller Derbheit aus. Mit zudem einem ausgeprägten Maß an Lokalkolorit entsteht so ein Regionalkrimi der ganz eigenen Art, der München mit einem Schattenwurf versieht, dessen man im sonstigen High-Society-Blick auf die Stadt gar nicht gewahr wird. „In München ein Verbrechen - na, des gibt’s ned“ möchte man sagen und wird - zumindest in Bronski’s witziger Realfiktion eines Besseren belehrt. Das macht Spaß und ist auch spannend.
Wilhelm Gossec ist Antiquitätenhändler, besser gesagt Trödler, und das Oktoberfest ist auch für ihn ein gutes Geschäft, schon im September stellt er sein Geschäft für die ausländischen Gäste auf Bavarica um. Eines Abends, als Gossec es sich gerade in der Wohnung hinter dem Laden gemütlich machen will, hört er ein Klatschen auf dem Pflaster und sieht einen Mann da liegen, ausgeraubt, eine Bierleiche. Gossec findet in seinen Taschen nur noch eine Einladung von der Firma Global Real Estate für das Käferzelt und eine Visitenkarte. Nach der handelt es sich um den Abgeordneten Ernst Hirschböck aus Niederottling. Ein Landtagsabgeordneter, eine global agierende, börsennotierte Immobilienfirma, ein Münchner Scherbenviertel, in dem die Leute aus ihren billigen Wohnungen hinaussaniert werden sollen ? mehr braucht Max Bronski nicht, um einen Krimi zu erzählen, in dem die Korruption das Selbstverständlichste auf der Welt ist, würde nicht manchmal einer aus lauter Gier über das Ziel hinausschießen und wäre da nicht Gossec mit seinem völlig überholten Gerechtigkeitssinn.