Luke Garner ist ein Schattenkind, ein Kind, das nicht exisiteren darf. Er ist der dritte Sohn der Familie, doch die Regierung erlaubt nur zwei Kinder, da die Lebensmittel zu knapp scheinen. Deshalb darf Luke nur in den Garten, denn dahinter befindet sich Wald, so dass kein Mensch ihn entdecken kann. Doch dann soll gebaut werden. Luke muss fortan im Haus bleiben, wo ihn die Bevölkerungspolizei nicht findet, denn die Strafe wäre der Tod...
Durch die neue Wohnsiedlung verliert Luke die Möglichkeit, zumindest etwas Freiheit im Garten zu erleben. Das letzte Wichtige, was ihm bleibt, sind seine Mutter, die den ganzen Tag zu Hause ist und sich um ihn kümmert, sowie das gemeinsame Essen am Tisch mit der Familie. Dafür werden extra die Fenster verdunkelt und ein Zusatzstuhl hinzugestellt, doch unmittelbar nach dem Essen muss alles wieder nach einem 4-Personen-Haushalt aussehen. Als eines Tages die Nachbarn den Vater Fragen, wie sie bei dieser Hitze die Fenster geschlossen halten können, verliert Luke auch das gemeinsame Essen, da der Vater nicht will, dass die Nachbarn eventuell auf seinen Sohn aufmerksam werden. Fortan muss Luke auf der Treppe essen.
Das ist jedoch noch längst nicht alles. Auch seine Mutter "verliert" er, da die Familie durch den Verlust ihrer Schweine nicht mehr genug Einkommen besitzt und Lukes Mutter somit zur Arbeit gezwungen ist. So verbringt der kleine junge alleine den Tag in seinem Zimmer im Dachgeschoss, das nicht einmal ein Fenster hat. Dabei sehnt er sich doch gerade nach der Außenwelt. Doch er entdeckt einen Stelle, von der aus man herausschauen kann. Er beobachtet die anderen Familien, gibt ihnen fiktive Namen und merkt sich, wann die Mitglieder weggehen und wie lange sie wegbleiben, um sich dann in der Phantasie auszumalen, wie er doch jetzt auf die Straße gehen könnte. Die Angst hält ihn jedoch zurück.
Anzeige Doch plötzlich entdeckt er ein Gesicht am Fenster eines anderen Hauses. Zweifellos ein Mädchengesicht, obwohl die Familie doch zwei Söhne hat. Ein zweites Schattenkind! Luke überlegt lange, ob er hinüber soll, überwindet letztlich seine Angst, nimmt allen Mut zusammen und läuft hinüber. Dort lernt er Jen kennen, ein Schattenkind und Tochter ausgerechnet eines Regierungsmitglieds. Es ist der erste menschliche Kontakt, der ihm Freundschaft und Hoffnung gibt, den er jedoch bald teilweise bereut, hat die Tochter doch einen Computer und Internet, wo sie in einem Chatroom mit anderen Schattenkindern den Marsch in die Hauptstadt zum Präsidenten und eine öffentliche Kundgebung plant, die zur Freiheit aller Betroffenen führen soll. Und Luke soll mitkommen.
Soll er mit? Will er wirklich sein Leben riskieren? Von Angst geplagt weiß er nicht, was er tun soll. Die Kundgebung findet statt, mit einem dramatischen Ende...
Fazit: Die Hörbuchversion schafft es, den kleinen Luke so darzustellen, dass man mit ihm denkt, mit ihm zweifelt und mit ihm hofft. Es zeigt sich vor allem ein rührendes Verhältnis zur Mutter. Jedoch verliert sich das aufgebaute Spannungspotential unerklärlicherweise im letzten Drittel des Hörbuches. Dies kann am Leser liegen, vielleicht auch an der den Zuhörer nicht zufriedenstellenden inhaltlichen Fortführung, die etwas mehr versprach. Eine dritte Möglichkeit wäre, dass es sich hierbei schließlich um eine gekürzte Lesung handelt. Dennoch ist es ein gutes Hörbuch, das man sich anhören oder gleich den Roman lesen sollte, denn schon allein die Darstellung des Protagonisten ist es wert.