Große literarische Tradition und faszinierend lebendige Kulturszene
Nun ist es offiziell: Argentinien wird das Gastland der Frankfurter Buchmesse 2010 (6.-10. Oktober). Ein entsprechender Vertrag wurde am heutigen Dienstag, 17. April 2007, im Rahmen der Buchmesse Buenos Aires von Luis Enrique Cappagli, Generaldirektor im argentinischen Außenministerium, und Juergen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse unterzeichnet.
"Es freut mich sehr, dass wir nach Mexiko 1992 und Brasilien 1994 nun erneut ein lateinamerikanisches Land als Gastland auf der Frankfurter Buchmesse erleben werden", sagte Juergen Boos bei der Vertragsunterzeichnung.
"Mit der Wahl ihres Gastlands 2010 zeigt die Frankfurter Buchmesse ihre Wertschätzung der lokalen Verlagsbranche und der großen literarischen Tradition der argentinischen Schriftsteller", heißt es in einer Pressemitteilung der argentinischen Regierung.
Anzeige Die argentinische Buchbranche ist nach der ökonomischen Krise des Landes 2002 in den letzten Jahren wieder auf rapidem Erholungskurs. 2006 wurden 19.426 Novitäten (Auflage: 71 Millionen Exemplare) gemeldet, 12 Prozent mehr als im Jahr zuvor (17.359 Neuerscheinungen, 59 Millionen Exemplare). 2002 waren es nur 9.537. 2004 betrug der Umsatz der produzierenden Verlagsbetriebe ohne den Buchhandel rund 300 Millionen argentinische Pesos. Es gibt in dem Land etwa 300 Verlage, gut 60 Prozent davon sind in Buenos Aires, weitere 17 Prozent in der Provinz Buenos Aires angesiedelt.
Argentinien zeichnet sich durch eine große literarische Tradition und eine faszinierend lebendige Kulturszene aus. Aushängeschilder argentinischer Literatur im Ausland sind Jorge Luis Borges und Julio Cortázar. Aber auch in der Gegenwartsliteratur des Landes gibt es große literarische Talente zu entdecken wie Eduardo Belgrano Rawson und Martín Kohan, von denen bereits Titel in deutscher Übersetzung erschienen sind. Claudia Piñeiro, die für ihren Titel "Las viudas de los jueves" 2005 mit dem Premio Clarín ausgezeichnet wurde, ist auf dem Weg, eine internationale Bestsellerautorin zu werden, und César Aira wird als einer der Anwärter auf den Literatur-Nobelpreis gehandelt.
Die argentinischen Partner hatten sich unter anderem genau für 2010 um den Gastlandauftritt auf der Frankfurter Buchmesse beworben, weil in diesem Jahr das 200. Jubiläum der Unabhängigkeitserklärung vom 25. Mai 1810 gefeiert wird.
Der Auftritt eines Gastlands oder eines Ehrengasts auf der Frankfurter Buchmesse gibt dem kulturellen Großereignis Frankfurter Buchmesse in jedem Jahr eine wechselnde Prägung. Seit Begründung des Gastlandprogramms auf der Frankfurter Buchmesse 1976 haben sich bis 2006 22 Länder und Kulturregionen präsentiert. 2007 ist die Katalanische Kultur Ehrengast in Frankfurt, 2008 folgt die Türkei und 2009 China. Für den Gast selbst hat der Auftritt eine doppelte Bedeutung: Neben der großen Aufmerksamkeit für seine Literatur und Kultur, die in Ausstellungen und einem breit gefächerten Veranstaltungsprogramm vorgestellt werden, profitiert auch die Buchbranche des Gastlandes: Auf der internationalen Plattform der größten Buchmesse der Welt präsentiert sie ihren Markt.